Als das Neue Testament „entjudet“ wurde


Das „Entjudungsinstitut“, gegründet 1939 von elf Landeskirchen, zählt zu den unrühmlichsten Kapiteln evangelischer Kirchengeschichte. Eine neue Ausstellung im Eisenacher Lutherhaus warnt auch vor neuem Antisemitismus.

Karin Wollschläger | katholisch.de

Der antisemitische Irrwitz ist leicht zu fassen: 200.000 gedruckte Exemplare einer „entjudeten“ Ausgabe des Neuen Testaments, ein Katechismus mit Jesus als „Arier“ und eine Gesangbuch-Ausgabe, in der Worte wie Jerusalem oder Zion getilgt und hebräische Formeln wie Amen oder Halleluja durchgängig durch „Das walte Gott“ oder „Lobe den Herrn“ ersetzt sind. Das von elf evangelischen Landeskirchen am 6. Mai 1939 auf der Wartburg gegründete „Entjudungsinstitut“ setzte mit seinen Publikationen eindeutig auf Breitenwirkung.

Auch Kirchen vor radikalen Ideologien nicht gefeit

Eine neue Sonderausstellung „Erforschung und Beseitigung. Das kirchliche ‚Entjudungsinstitut‘ 1939-1945“ im Eisenacher Lutherhaus will einerseits zur Aufarbeitung beitragen, andererseits einen Bogen in die Gegenwart schlagen: Sie falle in einer Zeit, „in der Pseudowissenschaften und Rassenhass wieder auf dem Vormarsch sind“, erklärt Lutherhaus-Leiter Jochen Birkenmeier. „Gerade deshalb ist es heute wichtig, daran zu erinnern, dass die giftige Mischung aus Verschwörungstheorien, Antisemitismus und Nationalismus in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts schon einmal furchtbare Folgen hatte.“ Dass auch die Kirchen vor den Lockungen radikaler Ideologien nicht gefeit seien, zeige sich am Beispiel des Instituts „in eindringlicher Weise“. Der Schau gehe es deshalb auch um Einsichten für Gegenwart und Zukunft.

weiterlesen

1 Comment

Kommentare sind geschlossen.