Antisemitismus im Rap: „Ein Zusammenspiel aus Israelhass und Verschwörungsglauben“


In Berlin wurde ein Auftritt zweier palästinensischer Rapper, die gegen Israel hetzen, in letzter Minute gestoppt. Antisemitismusexperte Jakob Baier erklärt, warum Judenhass im Rap häufiger und deutlicher zutage tritt als in anderes Genres.

Philip Kuhn | WELT

WELT: Herr Baier, vergangene Woche sollten auf einer Kundgebung in Berlin zwei palästinensische Rapper auftreten, die in ihren Songs von einer Zerstörung Israels singen. Wie schätzen Sie die Rapper und den Inhalt des Songs „Strike a Blow at Tel Aviv“ ein?

Jakob Baier: Hätte das Konzert wie geplant stattgefunden, wäre dort vermutlich zur Gewalt gegen Juden aufgerufen und antiisraelische Propaganda verbreitet worden – und das alles unweit des Denkmals für die ermordeten Juden Europas. Daher war das Auftrittsverbot die einzig richtige Entscheidung, die allerdings erst recht spät und nur nach einer entsprechenden Berichterstattung getroffen wurde.

WELT: Ein arabischsprachiger Journalistenkollege berichtete, dass Teilnehmer der Veranstaltung am Brandenburger Tor die Konzertabsage nicht nachvollziehen konnten, stattdessen den deutschen Sicherheitsbehörden Rassismus vorwarfen. Überrascht Sie das?

Baier: Nein, mich überrascht diese Argumentation nicht. In Deutschland wird mit solchen Veranstaltungen, die als friedliche Demonstrationen für die Rechte der Palästinenser daherkommen, immer noch ein sehr naiver Umgang gepflegt. Dabei werden dort regelmäßig antisemitische Gewaltfantasien geäußert – man denke nur an die Verbrennung israelischer Flaggen vor dem Brandenburger Tor vor zwei Jahren oder an den jährlichen Al-Kuds-Marsch.

weiterlesen