Religion bei Harry Potter – «Viele magische Motive lassen sich auf die Bibel zurückführen»


Vom Zauber der Magie. Bild: SRF

Vor über 20 Jahren erschien der erste «Harry Potter»-Band – bis heute hält die Faszination für diese Magiewelt an. Aus religionswissenschaftlicher Sicht hat die Buchreihe einiges zu bieten, auch wenn darin keine Religion propagiert wird.

Olivia Röllin | SRF

Ein Gespräch mit dem Religionswissenschaftler und Magieforscher Bernd-Christian Otto über biblische Referenzen, gefährliche Zaubersprüche und die Offenbarung «Harry Potter».

SRF: Vor Kurzem hat eine Schule in Tennessee die Buchreihe «Harry Potter» aus ihrer Bibliothek verbannt. Die Zaubersprüche darin könnten gefährlich sein, erklärte der Schulpfarrer. Auch hierzulande wird Harry Potter von Evangelikalen kritisiert. Wo liegt das Problem?

Bernd-Christian Otto: Fundamentalistische Christen rücken Harry Potter in die Nähe zur Wicca-Religion oder zum zeitgenössischen Satanismus. Sie behaupten, dass Kinder durch das Lesen der Bücher dazu verführt werden, sich okkulten Themen zuzuwenden.

Einige scheinen sich auch auf den mittelalterlichen Theologen Thomas von Aquin zu berufen. Dieser meinte, selbst aufrichtige Christen würden Gefahr laufen, einen Pakt mit dem Teufel zu schliessen, wenn sie unbekannte Worte oder Formeln rezitieren, da es sich dabei um Dämonennamen handeln könnte.

Wenn man also Rowlings ausgedachte Zaubersprüche nachspreche, laufe man Gefahr, Dämonen anzurufen und dadurch Götzendienst zu betreiben.

Viele magische Motive lassen sich ideengeschichtlich auf die Bibel zurückführen.

Aber Religion spielt in den Büchern kaum eine Rolle.

Es gibt keine Kirche, keinen Gott, keine Transzendenz – abgesehen von der Parallelwelt der Magier. Weihnachten und Ostern werden nur am Rande erwähnt, gelegentlich werden Begräbniszeremonien geschildert, die keiner Religion zuzuordnen sind.

weiterlesen