Wer will da noch Gott loben


Die Täter versuchten diesen Film zu stoppen, doch sie dürfen namentlich genannt werden: François Ozon beleuchtet in „Gelobt sei Gott“ den Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche anhand eines Falles in Lyon.

Julia Bähr | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Am zweitschlimmsten sind die Sätze, die in diesem Film fallen. Wenn der pädophile Priester Bernard Preynat, der bis in die frühen neunziger Jahre hinein etliche kleine Jungen sexuell missbraucht hat, seine Taten bei der Konfrontation mit einem mittlerweile erwachsenen Opfer so kommentiert: „Ich musste all die Jahre damit umgehen.“ Oder so: „Ich habe sehr gelitten darunter.“ Oder so: „Es waren andere Zeiten.“ Auf eine Entschuldigung wartet man vergebens. Dann fordert die anwesende Psychologin Täter und Opfer auf, sich an den Händen zu nehmen und mit ihr das Vaterunser zu beten. Es ist fürchterlich. Am schlimmsten jedoch ist es zu wissen, dass François Ozon als Regisseur und Drehbuchautor weite Teile der Dialoge und Briefe in „Gelobt sei Gott“ aus Originaldokumenten übernommen hat. Da fällt es beim Zuschauen schwer, nicht permanent mit den Zähnen zu knirschen.

Der Fall Preynat ist echt, auch wenn die Opfer verfremdet sind. Sogar die echten Namen des Priesters, der Psychologin Régine Maire und des zuständigen Kardinals Philippe Barbarin, der die Vorfälle nicht meldete und den Priester nicht von Kindern fernhielt, übernahm Ozon. Die Versuche der Geistlichen, das vor der Veröffentlichung in Frankreich zu unterbinden, scheiterten vor Gericht; die Kunstfreiheit siegte.

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