Eine Frau redet sich ins Elend: Pfarrerin mischte bei einem rechtsextremen Anti-Islam-Blog mit


Christine Dietrich: «Mir geht es nicht um den Glauben der Menschen. Mir geht es um den Missbrauch der Religion.© bz

Schaut man genauer hin, gibt es eine Reihe von Indizien, die die Distanzierung der Kleinhüninger Pfarrerin Christine Dietrich von der Vergangenheit als fraglich erscheinen lassen. Nach anfänglichem Schweigen suchte Dietrich plötzlich das Gespräch.

Jonas Hoskyn | BZBasel.ch

Die Kleinbasler Pfarrerin Christine Dietrich ist eine Frau mit einer bewegten Geschichte. Anfangs Monat berichtete die «Schweiz am Wochenende» über ihr bisheriges Leben: Über ihr Engagement für die deutsche Hetzplattform «Politically Incorrect» (PI), über ihre Kontakte in die rechtsradikale Szene, von der sie sich mehrfach distanzierte um dann wieder rückfällig zu werden, bis zur Wahl in den Kirchenrat der Reformierten Kirche. Vor der Publikation bat die «Schweiz am Wochenende» Christine Dietrich um ein Gespräch. Wir wollten sie konfrontieren mit jüngsten Recherchen, wonach sie sich noch immer nicht endgültig losgesagt hat von ihrer Vergangenheit. Dietrich blockte ab. Auf verschiedene Terminvorschläge ging sie nicht ein, Fragen wollte sie nur schriftlich beantworten. Erst nach dem Erscheinen ersuchte sie die Redaktion um ein Interview. Wenige Tage später trafen wir uns zu einem längeren Gespräch. Das Interview wurde zum Gegenlesen geschickt und vom Medienbeauftragten der Reformierten Kirche in Absprache mit Dietrich abgesegnet. Wenige Stunden später schaltete sie einen Medienanwalt ein und stellte neu eine Reihe von Bedingungen, unter anderem die Einsicht in den kompletten Text und Einschränkungen bei der Publikation des Interviews. Es folgten mehrere Telefonate und ein Mailwechsel. Das Folgende sind kuratierte und autorisierte Auszüge aus dem eineinhalbstündigen Gespräch. Sie zeigen: Dietrich relativiert, verharmlost und geht dort in den Angriff über, wo sie sich in die Ecke getrieben fühlt.

Sie hatten mehrere Jahre eine führende Position im Weblog namens «Politically Incorrect» (PI), über den Wikipedia schreibt, es sei ein «2004 von Stefan Herre gegründetes, politisch rechtsextremes Blog, das sich der Selbstbeschreibung nach gegen eine befürchtete «Islamisierung Europas» richtet. Sind Sie einverstanden mit dieser Definition?

Christine Dietrich: Mit dieser Definition bin ich nicht einverstanden weil ich auf diesem Weblog geschrieben habe, aber keine führende Position innehatte. Das ist ein Konstrukt aus Presseberichten. Ich war engagiert in gewissen Fragen, vor allem Frauenrechtsthemen. Zu Beginn, eigentlich in jener Zeit als ich für «Politically Incorrect» geschrieben habe, kamen diese Leute nicht aus einem rechten, vielmehr aus einem linken Milieu. Aus heutiger Sicht muss ich sagen, dass es ein Fehler war, überhaupt je für diesen Weblog zu schreiben. Das bereue ich heute und würde ich nie mehr tun.

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