Stand Amri bereits kurz nach dem Anschlag als Täter fest?


Grafik: TP

Im Untersuchungsausschuss des Bundestages erschüttert ein Kriminalbeamter aus Nordrhein-Westfalen die offizielle Version des Attentates vom Breitscheidplatz

Thomas Moser | TELEPOLIS

Bisher heißt es offiziell, um die Mittagszeit des 20. Dezember 2016 habe festgestanden, dass der Tunesier Anis Amri der Fahrer des LKW gewesen sei, der gegen 20 Uhr am Vortag, also am 19. Dezember, in den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz in Berlin gesteuert wurde. Zwölf Menschen kamen bei dem Anschlag ums Leben, Dutzende wurden verletzt. Amri konnte entkommen.

Diese Version wurde in der Sitzung des Untersuchungsausschusses im Bundestag am 26. September durch einen Kriminalbeamten aus Nordrhein-Westfalen erschüttert. Er habe bereits am frühen Morgen des 20. Dezember 2016, „spätestens zwischen 4:00 und 8:30 Uhr“ in seiner Dienststelle, dem Landeskriminalamt in Düsseldorf, erfahren, dass Anis Amri der Täter sein soll. Der Zeuge hatte in den Jahren 2015 und 2016 als Sachbearbeiter in der Ermittlungskommission Ventum mit dem Tunesier zu tun.

Sollte sich das bestätigen, wäre nicht nur eine Frage aufgeworfen, sondern eine Vielzahl: Wie schnell sind die Ermittler tatsächlich auf Amri gekommen? Warum vertritt nahezu der gesamte Sicherheitsapparat seit nun fast drei Jahren eine falsche Version? Was hat es mit den persönlichen Dingen Amris auf sich – Handys, Papiere, Portemonnaie -, die erst am 20. Dezember im und am LKW aufgefunden worden sein sollen und als Beleg gelten, dass er der Täter war? Woher stammen sie tatsächlich? Hat man Amri entkommen lassen?

Und schließlich: Wenn Sicherheitskräfte schon kurz nach der Tat wussten, dass Amri beteiligt war, rückt damit das Szenario näher, dass sie womöglich auch wussten, dass dieser Anschlag bevorstand. Diese Wahrheit wiederum wäre Anlass genug, sie zu unterdrücken.

Der Zeuge, Kriminaloberkommissar E., war Sachbearbeiter in der Ermittlungskommission (EK) Ventum des nordrhein-westfälischen LKA, die gegen eine zentrale Gruppierung von nominellen Islamisten ermittelte: das Netzwerk des mutmaßlichen deutschen IS-Vertreters Abu Walaa, bürgerlich: Ahmad Abdulazis A.A. Abu Walaa und vier weitere Personen wurde im November 2016 festgenommen. Seit zwei Jahren läuft in Celle der Prozess gegen die fünf.

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