Lager al-Hol: Das Gewaltregime der IS-Anhängerinnen


IS-Anhängerinnen im Lager al-Hol. Bild: Anhar/Video YouTube

Bei einer Schießerei mit der kurdischen Aufsicht gab es eine Tote. Befürchtungen, wonach die Lage im 70.000-Personen-Camp jederzeit eskalieren kann, bestätigen sich

Thomas Pany | TELEPOLIS

Ein fünfzehn-minütiger Schusswechsel sowie ein zweiter später folgender zwischen IS-Anhängerinnen und der Aufsicht im Lager al-Hol in Nordsyrien bestätigt Warnungen, wonach die Situation in dem Camp bei Hasaka leicht eskalieren kann. Al-Hol wurde mehrmals als „Pulverfass“ bezeichnet.

Einig sind sich Medienberichte über die Bilanz des Schusswechsels: Es gab eine Tote und mehrere Verletzte unter den Dschihadistinnen und dazu den Schock darüber, wie sehr die Spannungen im Annex-Bereich des Lagers ausarten können. Dort sind die ausländischen IS-Anhängerinnen, die weder die syrische noch die irakische Staatsbürgerschaft haben, und ihre Kinder untergebracht. Insgesamt halten sich in al-Hol etwa 70.000 Personen auf, im sogenannten Annex-Bereich sind es etwa 10.000.

Der Schusswechsel ereignete sich nach Darstellung des kurdischen Nachrichtenmediums Anhar am Montag infolge eines Protests über die Einrichtung heimlicher Gerichte, höchstwahrscheinlich Scharia-Gerichte, durch 50 IS-Anhängerinnen. Die kurdischen Fraueneinheiten, die das Lager beaufsichtigen (Internal Security Forces-Women), intervenierten, woraufhin die IS-Frauen „unter Absingen von IS-Slogans“ Waffen zückten und das Feuer eröffneten.

Erst nach 15 Minuten hätten die kurdischen Sicherheitsfrauen die Situation unter Kontrolle gebracht. Allerdings sei der „Aufstand“ gegen die Aufsicht an einem Hintereingang des Annex-Bereichs neu aufgeflammt, dabei wurde eine IS-Anhängerin getötet und sieben verletzt.

Die Religionspolizei

Dass IS-Anhängerinnen sich im Lager, das als „Mini-IS“ bezeichnet wird, wenig um die Aufsicht scheren und darauf achten, dass doktrinäre Lebensanschauungen und Vorschriften des „Islamischen Staates“ eingehalten werden, wurde schon öfter durch Reportagen bekannt gemacht. Zwei „Feldforscher“, die für die Webseite US-Homeland-Security aus dem Lager berichteten, zitieren Anfang September Aussagen von IS-Frauen aus den Lagern al-Hol und Ain Issa, die nichts Gutes erwarten lassen.

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