Menschenaffen wissen, ob man weiß


Was wissen andere, was denken sie und wie wird dies ihr Handeln beeinflussen? Nicht nur wir Menschen können uns in die Gedankenwelt anderer hineinversetzen, verdeutlicht nun eine Verhaltensstudie: Auch Menschenaffen besitzen die hochentwickelte Fähigkeit der sogenannten „Theory of Mind“. Konkret geht aus den Experimenten hervor: Bei ihren Erwartungen zum Wissen und Verhalten anderer verlassen sich die Affen auf ihre eignen Erfahrungen.

Martin Vieweg | wissenschaft.de

Sich in andere hineinversetzen zu können, ist ein Schlüsselelement unseres Sozialverhaltens und unserer Fähigkeit zur Kooperation. In vielen Kontexten ist es wichtig, eine Vorstellung davon zu haben, welche Informationen, Motive oder Irrtümer unsere Mitmenschen im Kopf haben, damit wir uns entsprechend einstellen können. In der Psychologie wird diese Fähigkeit als Theory of Mind bezeichnet. Lange galt diese komplexe Verstandesleistung als ein Alleinstellungsmerkmal des Menschen. Doch auch bei diesem Aspekt zeigte sich schließlich erneut, wie ähnlich uns die Menschenaffen in Vielem sind. Aus Verhaltensstudien geht hervor, dass sie sich bis zu einem gewissen Grad in die Gedankenwelt anderer hineinversetzen können: Sie erkennen deren Motive und begreifen, was diese wissen.

Wie weit geht die Fähigkeit?

In diesem Zusammenhang konnten die Forscher um Fumihiro Kano von der Universität Kyoto bereits im Jahr 2016 zeigen, dass Menschenaffen sogar begreifen, dass jemand sich irren muss – dass er an etwas glaubt, das gar nicht mit der Realität übereinstimmt. Doch wie sie erklären, ließ das eingesetzte Testverfahren Fragen offen, wie weit die tierische Fähigkeit zur Theory of Mind diesbezüglich reicht. In ihrer aktuellen Studie haben die Wissenschaftler ihre Versuchstiere deshalb nun mit einem noch komplexeren Testsystem konfrontiert.

weiterlesen