Merkwürdiger Römer-Friedhof: Kräftige Männer, geköpft oder von einer Raubkatze getötet


Mitglied des York Archaeological Trust bei der Arbeit im römischen Friedhof Quelle: picture alliance / empics/ York Archaeological Trust

Ein römischer Friedhof, der in York gefunden wurde, gibt noch immer Rätsel auf. 83 Tote wurden hier begraben. Sie stammten aus dem ganzen Imperium. Fast die Hälfte wurde enthauptet. Die Schädel wurden ihnen zu Füßen gelegt.

Berthold Seewald | WELT

Wie sich die Römer die Bewohner Britanniens vorstellten, hat der Historiker Tacitus mit wenigen Worten erklärt. Es handele sich um „verstreute, rohe und darum leicht zum Krieg geneigte Menschen“, die durch „Annehmlichkeiten an Ruhe und Muße zu gewöhnen“ seien. In diesem Sinn machten sich die Römer nach der Eroberung der Insel im 1. Jahrhundert n. Chr. daran, mit dem Bau von „Tempeln, Märkten und Häusern“ die keltischen Stämme zu zivilisieren. Doch es ging wohl nicht nur um Kulturvermittlung, sondern auch um die eigene Bequemlichkeit. Schließlich wollten der aristokratische Statthalter und seine Leute auch im nördlichsten Winkel des Imperiums die Annehmlichkeiten der Zivilisation nicht missen.

Eines der römischen Zentren Britanniens war Eboracum (York). In der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts als Standort der Legio IX Hispania gegründet, wurde der Ort wohl Anfang des 3. Jahrhunderts zur colonia erhoben. Kaiser Septimius Severus ist hier während eines Feldzuges im Jahr 211 gestorben. Konstantin der Große wurde 306 ebenfalls in Eboracum von den Truppen seines Vaters zum Kaiser erhoben, nachdem dieser in der Stadt verstorben war. Mit vielleicht 15.000 Einwohnern war Eboracum eine veritable Siedlung, die mit Tempeln, Thermen und Theatern einigermaßen vergessen ließ, dass man so weit weg war von Rom.

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