So gespannt ist das Verhältnis der deutschen Kirche zum Vatikan


1968 veröffentlicht Papst Paul VI. die sog. Pillen-Enzyklika, die künstliche Verhütung verbietet. Nicht nur in Deutschland gibt es Proteste.© picture alliance / AP Photo

Mit ihrem Reformprozess rufen die deutschen Bischöfe Kritik im Vatikan hervor. In Rom befürchtet man einen Alleingang und will sie in die Schranken weisen. Die Geschichte zeigt: Die deutsche Kirche hat sich schon öfters gegen Rom aufgelehnt.

Barbara Schneider | BR24

Über Jahrhunderte hinweg waren in Europa Kirche und Obrigkeit eng miteinander verflochten. In Folge der Säkularisierung ordnete sich die Kirche neu – es entstanden die evangelischen Landeskirchen und katholischen Diözesen, wo nun nicht mehr die alten Eliten, sondern bürgerliche Bischöfe eine Rolle spielen. Es ist der Anfang der katholischen Kirche, wie wir sie heute kennen. Der Beginn eines selbstbewussten deutschen Katholizismus. Ein Katholizismus, bei dem es über die Jahrzehnte hinweg immer wieder auch Tendenzen gab, sich gegen Rom aufzulehnen.

Der Streit um die Unfehlbarkeit des Papstes …

1869 und 1870 kommt in Rom das I. Vatikanische Konzil zusammen. Das alles bestimmendes Thema: Die Unfehlbarkeit des Papstes soll beschlossen werden. Vor Eröffnung des Konzils hatten sich die deutschen Bischöfe mehrheitlich gegen eine Unfehlbarkeitserklärung ausgesprochen. Auch einflussreiche Theologen wie der Münchner Kirchenhistoriker Ignaz von Döllinger sprechen sich gegen das damals neue Dogma aus.

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