Der Missbrauchsskandal wird zum Prüfstein für die katholische Kirche: Ohne Reformen wird sie unglaubwürdig


Verehrungswürdige Puppe. Themenbild

Sexueller Missbrauch und jahrzehntelange systematische Vertuschung: Die deutschen Bischöfe wollen Reformen anstossen, werden aber von Rom ausgebremst. Das schadet der Glaubwürdigkeit der Kirche.

Jan-Heiner Tück | Neue Zürcher Zeitung

Als Bollwerk der Wahrheit gegen die «Irrtümer der Zeit» hat sich die katholische Kirche im 19. Jahrhundert verstanden. Die Papstdogmen des I. Vatikanischen Konzils haben die römische Zentrale gestärkt und die Ortskirchen geschwächt. Das ist 150 Jahre her. Aber noch immer sieht sich die Kirche vom Freiheitsdenken der Moderne herausgefordert, noch immer ist die Balance zwischen Zentrale und Ortskirchen störanfällig.

Das zeigen Differenzen zwischen Rom und der Kirche in Deutschland betreffend die Frage, wie mit dem Skandal des sexuellen Missbrauchs und der jahrzehntelangen Vertuschung durch Bischöfe umgegangen werden soll. Das Böse ist in die Mitte des Heiligen vorgedrungen – der Schock sitzt tief.

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