Wie Echoortung das Gehirn verändert


Manche Blinde orientieren sich mit dem sogenannten Klicksonar, einer Form der Echoortung. (Bild: Andrey Popv/ istock)

Die extreme Anpassungsfähigkeit des menschlichen Gehirns versetzt Forscher immer wieder in Erstaunen. Bei manchen blinden Menschen zeigt sich diese Flexibilität des Denkorgans auf besonders eindrückliche Weise. Denn Betroffene, die sich via Echoortung in ihrer Umgebung orientieren, verarbeiten Geräusche ähnlich wie Sehende Licht. Dabei ordnen eigentlich auf visuelle Reize spezialisierte Hirnbereiche die Echos räumlich zu – sie erstellen eine Art neuronale Karte des reflektierten Schalls, wie eine Studie offenbart. Dadurch können echoortende Blinde überraschend genau bestimmen, aus welcher Richtung ein Geräusch kommt.

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Die von Fledermäusen bekannte Echoortung ist ein geniales Patent der Natur. Kein Wunder also, dass sich der Mensch dieses Prinzip inzwischen für zahlreiche technische Anwendungen zunutze macht – vom Radargerät bis hin zum Hightech-Blindenstock mit Ultraschallsensoren. Doch nachahmen lässt sich die Echoortung nicht nur für Geräte. Einige blinde Menschen wenden inzwischen sogar selbst Fledermaus-Technik an: Sie schnalzen und klicken beim Gehen mit der Zunge und erkennen anhand des reflektierten Schalls Hindernisse in ihrer Umgebung. Diese Klicksonar genannte Methode wurde in den 1990er Jahren von dem blinden Daniel Kish in Amerika populär gemacht. Inzwischen werden aber auch in Deutschland immer mehr Blinde in dieser anderen Art des Sehens ausgebildet. „Sehen“ trifft es dabei ziemlich genau, wie sich inzwischen zunehmend abzeichnet. Denn offenbar nutzen echoortende Blinde Bereiche ihres Gehirns, die normalerweise für die Verarbeitung der vom Auge aufgenommenen Reize zuständig sind.

Neuronale Karte im Gehirn

Wie gut sich das Gehirn an die Verwendung des Klicksonars anpassen kann, enthüllen nun Untersuchungen von Liam Norman und Lore Thaler von der Durham University. Die Forscher hatten für ihre Studie den primären visuellen Cortex untersucht. Bei sehenden Menschen verarbeitet diese Hirnregion in die Retina einfallende Lichtreize. Die Neuronen in diesem Bereich stellen dabei eine Art räumliche Karte unserer Umgebung dar: Einfallendes Licht von Punkten, die im Raum nebeneinander liegen, aktivieren auch nebeneinanderliegende Punkte im Gehirn. Könnte es sein, dass echoortende Blinde die räumliche Zuordnung im visuellen Cortex nutzen, um nicht Licht, sondern Echos zu verarbeiten? Um dies herauszufinden, spielten die Wissenschaftler 15 Probanden Klicklaute vor, die von einem Gegenstand an jeweils unterschiedlichen Positionen im Raum reflektiert wurden. Die Teilnehmergruppe setzte sich dabei aus sehenden Menschen sowie echoortenden und nicht im Klicksonar geschulten Blinden zusammen.

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