Die Wiederkehr des Populismus: Im Namen des Volkes


Da wurde noch geredet, nicht nur gepostet: „Das Zeitalter des Perikles“, Druck, später koloriert, nach dem Gemälde von Philipp von Foltz. Bild: akg-images

In jüngster Zeit ist ein Politikertypus in den Parlamenten erschienen, der eigentlich als ausgestorben galt: der Populist. Über die Ursachen gibt es viele Theorien – eine überzeugt mehr als die anderen.

Justus Bender | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Vielleicht werden sich Historiker einmal für ein Detail unseres Jahrhunderts interessieren, das uns in der Gegenwart kaum beschäftigt: die Frage nämlich, wann nicht mehr nur Jugendliche, sondern auch Eltern und Großeltern in sozialen Netzwerken aktiv wurden. Heute lässt sich das noch aus der Erinnerung beantworten.

In Amerika war es Mitte der nuller Jahre so weit, in Deutschland nach 2008. Die Entwicklung zeigte sich in millionenfachen Momenten der Peinlichkeit, wenn Jugendliche unverhofft Freundschaftsanfragen von Lehrern, Großvätern, Tanten und Vorgesetzten erhielten. Es folgten hektische Versuche, die Timeline von Hinweisen auf Alkoholexzesse, Partnersuche und körperliche Freizügigkeit zu reinigen. Das alles glich dem Ende einer großen Party.

Facebook, Youtube, Twitter und Instagram waren über Nacht kein Ausdruck von Jugendkultur mehr, sondern Teil einer großen Öffentlichkeit, in der auch ernste Lebensfragen verhandelt wurden. Neben Katzenvideos standen nun Phoenix-Filmchen über die Lage in Nordkorea und Falschmeldungen über Angela Merkel. Fortan dienten die Algorithmen der sozialen Netzwerke nicht mehr nur dazu, die Nutzer mit Fotos und Sprüchen zu berieseln. In der Hedonistenlogik der Algorithmen wurden nun alle in ihren Leidenschaften bestärkt: Vater bekam seine politischen Nachrichten, und wenn er auf eine Meldung zu Ausländerkriminalität klickte, gab der Algorithmus ihm mehr von dem Stoff. Die Älteren brachten eine Ernsthaftigkeit in die sozialen Netzwerke, deren Themen nun durch den Turbolader der Algorithmen gejagt wurden.

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