Vor 25 Jahren: Massensuizid der Sonnentempler in der Romandie


Der Hauptsaal der unterirdischen Geheimräume der Sonnentempler in Cheiry (FR), in dem am 6. Oktober 1994 23 Leichen gefunden wurden. (Bild: Ruben Sprich / Keystone)

In der Nacht zum 5. Oktober 1994 ereignete sich in der Westschweiz ein aussergewöhnliches Drama, dem 48 Menschen zum Opfer fielen. Sie waren allesamt Mitglieder des Ordens der Sonnentempler und begingen kollektiven Selbstmord. Allerdings zeigte sich bald, dass nicht alle freiwillig in den Tod gingen.

Michèle Schell | Neue Zürcher Zeitung

Die Sonnentempler waren eine Sekte, die vom belgischen Arzt und Heiler Luc Jouret angeführt wurde. Sie hatte in der Romandie etwa 200 Anhänger, die sich dem Rosenkreuzer-Orden verbunden fühlten und den Tempelrittern nahestanden. Die Sekte verstand sich als eine Art Geheimbund, dessen Aufgabe es war, vor dem allgemeinen Wertezerfall und der fortschreitenden Umweltverschmutzung zu warnen und eine gesunde Lebensführung zu predigen.

Doch mit der Zeit machte sich Resignation breit, und irgendwann schien das Heil der Sonnentempler nur noch im Verlassen dieser Welt zu liegen. Die Rede war jetzt plötzlich vom bevorstehenden Weltuntergang. Es wurden Abschiedsrituale zelebriert und die Koffer gepackt: Die Sekte plante den Transit. Die Sonnentempler wollten die Erde verlassen.

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