Evolutionsbiologie: Warum sollten Wasserflöhe Sex haben?


Plankton, Wasserflöhe und Volvox Grünalgen unter dem Lichtmikroskop Bild: Science Photo Library

Die Fortpflanzung von Daphnien ist nicht nur für Biologen faszinierend: Ihre Strategien dabei passen die Wasserflöhe den Umweltbedingungen an. Doch manchmal übernehmen auch die Gene die Regie.

Juliette Irmer | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Wasserflöhe lassen die Herzen vieler Biologen höher schlagen, denn sie sind wahre Meister in Sachen Anpassung. Anders als der Name es vermuten lässt, handelt es sich hier um keine Insekten, sondern um Krebse, die Seen, Teiche und sogar Felstümpel besiedeln. Legendär ist die Art und Weise ihrer Fortpflanzung: Bei guten Umweltbedingungen vermehren sich Wasserfloh-Weibchen asexuell durch Jungfernzeugung, das heißt, sie produzieren Eier, aus denen genetisch identische Töchter schlüpfen – natürliche Klone der Mutter. Entsteht eine Mangelsituation, etwa durch zu wenig Nahrung oder einen sinkenden Wasserspiegel, setzen die Weibchen auf Vermehrung durch Sex: Sie produzieren nun Töchter und Söhne gleichermaßen, die die Eier der nachfolgenden Wasserfloh-Generation befruchten.

Schon lange geben die Minikrebse Evolutionsbiologen Rätsel auf. Nun kommt ein weiteres hinzu: In den „Proceedings“ der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften berichten amerikanische und französische Forscher von einer neu entdeckten Vermehrungsvariante: „In manchen Populationen existieren auch Weibchen, die keine Söhne hervorbringen können“, erklärt Michael Lynch, Direktor des Biodesign Center for Mechanisms of Evolution der Arizona State University.

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