Hasankeyf – eine Stadt geht unter


Jung und alt sitzen am Tigris bei Hasankeyf. Bald wird diese Idylle dem Stausee zum Opfer fallen. (Bild: Sedat Suna / EPA)

In der Südosttürkei steht der kontroverse Ilisu-Staudamm kurz vor der Fertigstellung. In wenigen Monaten wird die jahrtausendealte Stadt Hasankeyf im Stausee untergehen. Die Bewohner versuchen sich mit der neuen Realität zu arrangieren.

Volker Pabst | Neue Zürcher Zeitung

Einige Andenkenverkäufer harren noch aus in der kleinen Ladenstrasse von Hasankeyf. Auch zwei Cafés gibt es hier noch. Von deren Terrassen geniesst man den herrlichen Blick auf die Schlucht, den Tigris und die Stadt – oder auf das, was davon übrig ist. Die Pfeiler der historischen Brücke sind mit Beton ummantelt. Auch die in den Stein gehauene Höhlenstadt, die noch bis in die siebziger Jahre bewohnt war, ist zum grossen Teil unter einer dicken Betonschicht begraben, die wie eine graue Gletscherzunge auf dem Fels liegt. Die auf Holzpfählen gebauten Fischrestaurants am rechten Flussufer sind verschwunden. Die Fische, die man von dort aus im Wasser sehen konnte, grösstenteils auch.

Die Stimmung in Hasankeyf ist gedrückt. Bald werden auch die letzten Geschäfte an der alten Ladenstrasse schliessen müssen. Am 8. Oktober sollen die Vorarbeiten für den Transport einer historischen Moschee aus der Oberstadt in den Architekturpark auf der anderen Talseite beginnen. Weil die Strasse dafür zu eng ist, müssen einige der alten Häuser abgerissen werden. Spätestens ab nächstem Frühjahr wird sowieso alles unter Wasser stehen. Hasankeyfs Tage sind gezählt.

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