Von Afrin bis nach Deir ez Zor: Der türkisch-sunnitische Gürtel


Archivbild vom Einmarsch der Türkei und verbündeter Milizen in Afrin – „Operation Olivenzweig“, Februar 2018. Bild: Qasioun News Agency/CC BY 3.0

Wenn Erdogan seine Drohung vom Wochenende wahr machen sollte, droht dem Rest von Nordsyrien ein ähnliches Schicksal wie Afrin

Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Die Türkei macht ihre Arbeit gut, meinte Innenminister Horst Seehofer (CSU) während des Treffens mit seinem türkischen Amtskollegen Süleyman Soylu am vergangenen Freitag. Dabei bezog er sich auf das Handeln der türkischen Regierung rund um das Flüchtlingsthema. Alles gut gemacht?

Soylu warnte vor einer erneuten Massenflucht aus Syrien in die Türkei, Erdogan drohte, die Türen nach Europa wieder zu öffnen. Dabei ist die drohende Massenflucht aus Idlib hausgemacht. Das türkische Militär hat dort mit seinen verbündeten Islamisten einen Rückzugsort für IS-Kämpfer und andere islamistische Milizen geschaffen, die vom syrischen und russischen Militär bekämpft werden.

Die Leistung der Türkei werde in die Welthistorie eingehen, sagte Seehofer schmeichelnd. Welche Leistung?, mag man sich fragen. Noch nie war die Rate der türkischen Staatsbürger, die Deutschland um politisches Asyl baten, so hoch wie derzeit und noch nie gab es so viele inhaftierte Menschen in der Türkei wie derzeit. Es gab auch noch nie so viele inhaftierte Deutsche in der Türkei – 67 an der Zahl.

Am Tag des Seehofer-Besuches wurden 5 weitere deutsche Staatsbürger verhaftet. Schon seit langem gab es nicht mehr so konkrete Pläne zur Annexion von Teilen eines Nachbarlandes wie heute.

Die notwendigen Anweisungen für eine Boden- und Luftoffensive in Nordsyrien seien erteilt worden, sagte Erdogan am Wochenende vor Parteimitgliedern in Ankara. Der Einsatz könne „heute oder morgen“ beginnen.

„Kurdenfreie“ Siedlungszone

Was bereits seit anderthalb Jahren im nordsyrischen Kanton Afrin vor sich geht, wird von den westlichen Medien und der Politik dauernd ausgeblendet. Doch man sollte dieser Tage genauer hinschauen und den Berichten aus der Region, etwa von der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), Gehör verschaffen.

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