Frédéric Martel: „Sodom. Macht, Homosexualität und Doppelmoral im Vatikan“


Schweigen und Tabus haben Geschichte im Vatikan (S. Fischer Verlag / dpa/ Boris Roessler)

Kein Sex vor der Ehe, keine Scheidung, Homosexualität ist Sünde, deshalb gibt es auch keine „Ehe für alle“ – in der katholischen Kirche. Doch Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander. Der französische Soziologe Frédéric Martel schreibt über ein System der Vertuschung.

Ina Rottscheidt | Deutschlandfunk

Manche Anekdote klingt fast zu schräg, um wahr zu sein. Wie die über den päpstlichen Mitarbeiter, dem italienische Zeitungen den Spitznamen „Monsignore Jessica“ verpassten:

„Dieser nutzt die regelmäßigen Besuche des heiligen Vaters in der Kirche Santa Sabina in Rom, dem Sitz der Dominikaner, um den jungen Mönchen seine Visitenkarte zu geben. Über seine ‚pickup line‘ oder Cruising-Technik wurde auf der ganzen Welt gespottet […]: Er versuchte, die Seminaristen abzuschleppen, indem er anbot, ihnen das Bett von Johannes XXIII. zu zeigen!“

Dass es homosexuelle Geistliche gibt, ist kein Geheimnis. Im Vatikan seien sie jedoch eine große und mächtige Mehrheit. Das behauptet Frédéric Martel in seinem Buch „Sodom – Macht, Homosexualität und Doppelmoral im Vatikan“.

Demnach war schon Papst Paul VI. schwul – besser bekannt als „Pillen-Paul“. Ebenso der heute über 90-jährige Angelo Sodano, einst Kardinalstaatssekretär und wichtigster Mann hinter Papst Johannes Paul II. Und auch der US-amerikanische Kardinal Raymond Burke. Das macht Martel an seiner Vorliebe für üppige Gewänder fest. Dass Burke selbst Homosexualität immer wieder als schwere Sünde geißelt, dient Martel dabei nur als weiterer Beleg:

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