150 Gene durch Raubmord erbeutet


Cholerabakterien besorgen sich offenbar auf rabiate Weise genetisches Material anderer Mikroben. (Bild: G. Knott & M. Blokesch, EPFL)

Rabiater Patentklau unter Bakterien: Die Erreger der Cholera rammen Konkurrenten einen Speer in den Leib und erbeuten anschließend bis zu 150 Gene des Opfers, berichten Forscher. Die Bakterien integrieren die fremde DNA dann in das eigene Erbgut. Dadurch können sie ihre Evolution beschleunigen oder sich Antibiotikaresistenzen aneignen, geht aus der Studie hervor.

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Die Entwicklung neuer genetischer Merkmale braucht viel Zeit – das gilt allerdings nur für die höheren Lebewesen: Bei Bakterien kann die Evolution ausgesprochen fix verlaufen. Denn die Einzeller können auch ohne einen Generationswechsel ihre Genetik verändern, indem sie DNA von anderen Bakterien oder aus der Umwelt aufnehmen und in ihr Erbgut einbauen. Dieser Prozess wird als horizontaler Gentransfer bezeichnet. Diese Fähigkeit der Mikroben ist besonders im Zusammenhang mit der Ausbreitung von Erbanlagen problematisch, die Antibiotikaresistenzen vermitteln.

Vergiftete Speere

In früheren Studien haben Forscher bereits gezeigt, dass einige Bakterienarten dabei nicht nur einfach fremde DNA aus der Umwelt aufnehmen – sie können sie auch räuberisch erbeuten. Dabei kommt eine bakterielle Waffe zum Einsatz, die normalerweise dem Konkurrenzkampf unter den Mikroben dient. Sie wird als Typ VI-Sekretionssystem oder T6SS bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine Art Speer, den die Mikroben aus ihrer Zellhülle heraus auf Konkurrenten abfeuern. Die Spitze dieser Waffe ist zusätzlich vergiftet, um dem Opfer besonders effektiv den Garaus zu machen.

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