Ernst Haeckel und der Monismus – Zum 100. Todestag des großen Naturphilosophen


Ernst Haeckel, Bild:Phyletisches Museum. barb.:bb

Zu einem Vortragsnachmittag lädt die Freigeistige Aktion für humanistische Kultur ein, und zwar am 12. Oktober 2019 um 15.00 Uhr

in 63263 Neu-Isenburg, Ludwigstraße 68,
(Haus der Humanistischen Gemeinschaft Neu-Isenburg)

Referenten: Arnher E. Lenz und Dr. Volker Mueller

Pressemitteilung

Zum 100. Todestag von Haeckel will die Freigeistige Aktion (ehem. Deutscher Monistenbund) an den großen Naturforscher und Philosophen erinnern. Ernst Haeckel (1834–1919) gilt als der deutsche Naturwissenschaftler, der als einer der ersten Darwins Überlegungen der biotischen Evolution und der Abstammungslehre des Menschen aufnahm und verbreitete. Er forschte selbst jahrzehntelang über die Entwicklung und trug zum wissenschaftlichen Fortschritt bei. Haeckel war es, der den naturwissenschaftlich orientierten Monismus als naturphilosophische Welterklärung und freigeistige Weltanschauung etablierte.

1906 gründete er in Jena den Deutschen Monistenbund, die heutige Freigeistige Aktion für humanistische Kultur. Aus der rein naturphilosophischen Ausrichtung des Monistenbundes zur Zeit seiner Gründung ist im Laufe der Jahrzehnte ein vermehrter Einsatz für freigeistige und humanistische Kulturarbeit geworden, und zwar vor dem Hintergrund der Grundrechte-Charta der UN an der Würde des Menschen ausgerichtet.

Für viele unserer modernen Ansichten über Menschen, Tiere und Natur, Umweltschutz und Menschenrechte wurden schon zu Haeckels Zeiten die Grundsteine gelegt.

In einem Brief vom 4.11.1899 an Wilhelm Bölsche (1861–1939) schrieb Haeckel über seine ersten Bekanntschaften mit Darwin und seinem Werk wie folgt: „Darwin kannte ich bis 1860 nur durch seine Reisebeschreibung, die mir als Gymnasiast (1848–52) eines meiner drei theuersten Bücher war ( – neben Humboldts „Ansichten der Natur“ und Schleidens „Pflanze und ihr Leben“ – ). Darwins Hauptwerk erschien 1859, während ich in Italien war (von Jan. 59 bis April 60). Als ich Anfang Mai 60 nach Berlin zurückkehrte, hörte ich, dass „ein ganz verrücktes Buch“ von D. erschienen sei, worin er die Species-Constanz leugne! Schon beim ersten Lesen packte es mich gewaltig; da aber alle Berliner Größen ( – mit einziger Ausnahme von Alexander Braun – ) in der Verwerfung einig waren, blieb meine Vertheidigung desselben wirkungslos. Erst als ich bald darauf (Juni 60) Gegenbaur in Jena …. besuchte, athmete ich auf, und die eingehenden Gespräche mit ihm bestärkten mich definitiv in meiner Überzeugung von der Wahrheit des Darwinismus, resp. Transformismus.“
https://www.lenz-verlag.de/p_d-Historische_Reihe_freigeistiger_Texte-_Der_Kampf_um_den_Entwickelungs-Gedanken_(Historische_Reihe_6)-16-21082.html?outlook=haeckel&search=-1&sort=&autoren=

Um 1900 fand das Streben und Suchen nach einheitlich aufzufassenden Wechselwirkungen in der Natur, in der Gesellschaft und in den Natur- und Sozialwissenschaften einen Höhepunkt. Das Wesen und die Einheit der Welt in ihrer Mannigfaltigkeit und wissenschaftlichen Erkennbarkeit zu erfassen, wurden zu einem aktuellen weltanschaulich-philosophischen Bedürfnis.

Gerade der Monismus, der durch Haeckel und andere entwickelt wurde, wirkte gegen die dualistische Trennung von Stoff und Kraft, Sein und Bewusstsein, Materie und Geist. Die Wesenserkenntnis der materiellen Einheit der Welt lässt nicht zu, dass es keine Erscheinung in Natur und Gesellschaft gibt, die losgelöst und unabhängig von anderen Erscheinungen und von den kausalen Zusammenhängen der Realität ist. Monismus kann als weltanschauliche und wissenschaftlich begründete Position verstanden werden, wonach alle Geschehnisse, Verhältnisse, Ereignisse und Erscheinungen der Welt auf ein einziges Grundprinzip zurückführbar sind.



Gäste sind herzlich willkommen – Eintritt frei.