Die ersten Fundamentalisten waren Christen


Back to the roots – zurück zu den Fundamenten des Glaubens. Was heute vielfach mit einem radikalen Islam assoziiert wird, bezeichnete im 19. Jahrhundert eigentlich bibeltreue Protestanten. Der Begriff wird aber auch für katholische Gruppen verwendet.

Joachim Heinz | katholisch.de

Wenn heutzutage von Fundamentalismus die Rede ist, dann meist im Zusammenhang mit extremen Strömungen des Islam. Dabei kommt der Begriff eigentlich aus dem christlichen Raum, näherhin aus den USA, wie der evangelische Theologe Christoph Urban (41) im Interview erläutert. Urban, im Hauptberuf Seelsorger im Moselort Konz, hat sich in seiner soeben erschienenen Doktorarbeit mit der Geschichte des Begriffs auseinandergesetzt – und dabei einige überraschende Einsichten gewonnen.

Frage: Herr Urban, was ist Fundamentalismus?

Urban: Dem Wortstamm nach eine Haltung, die sich in besonderer Weise auf die Fundamente bezieht, die Grundlagen von etwas. Gleichzeitig handelt es sich aber um einen Schmähbegriff, mit dem andere und deren Meinung herabgesetzt werden.

Frage: War das schon immer so?

Urban: „Erfunden“ haben den Fundamentalismus Protestanten in den USA. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden damit christliche Gruppen bezeichnet, die an das Ende der Zeiten glaubten, der Evolutionslehre und der historisch-kritischen Bibelauslegung reserviert gegenüberstanden.

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