Warum Stillen für den Klimaschutz gut sein soll


Bild: ProjectManhattan/CC0

Britische Wissenschaftler sagen, dass auch die Ernährung von Säuglingen klimafreundlich erfolgen soll, Muttermilchersatz trage auch zur Erhöhung der CO2-Emissionen bei

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Wenn es um CO2-Emissionen und deren Vermeidung geht, trifft es letztlich jeden. Der Versuch, die globale Temperatur bis 2010 möglichst nicht mehr als 2 Grad Celsius über dem Wert zu Beginn der Industrialisierung steigen zu lassen, dürfte zwar kaum mehr gelingen, zu träge sind die Gesellschaften, den Lebensstil und die Art des Wirtschaftens radikal und schnell umzustellen.

Manche fordern inzwischen einen birthstrike, also den Verzicht, weil jeder neue Mensch die CO2-Emissionen weiter in die Höhe treibt. Nach der viel zitierten Studie von Seth Wynes und Kimberly Nicholas aus dem Jahr 2017 würden in den Industrieländern durch ein Kind weniger jährlich 58.6 Tonnen CO2- Äquivalente eingespart. Ohne Autobenutzung hingegen nur 2,4 Tonnen oder durch eine vegetarische Ernährung gerade einmal 0,8 Tonnen jährlich. Einen transatlantischen Flug jährlich weniger zu machen, würde auch schon 1,5 Tonnen sparen. Bei der Berechnung der Klimakosten pro Kind wurden allerdings deren Kinder und Kindeskinder einbezogen, was die Emissionen in die Höhe treibt. Amerikaner, die den größten CO2-Fußabdruck haben, sind jährlich pro Kopf für nur 16 Tonnen verantwortlich. Das ist also schon ein bisschen schief gerechnet.

3,8 Millionen Tonnen Milchpulver werden jährlich produziert

Britische Wissenschaftler weisen nun in einem Artikel in der medizinischen Fachzeitschrift BMJ darauf hin, dass eigentlich auch eine Kulturrevolution in der Babyernährung notwendig wäre. Kein Problem gibt es mit dem Stillen, aber mit den Alternativen zur Muttermilch sieht es nicht so gut aus. Stillen mit der Muttermilch verbraucht wenige Ressourcen und hinterlässt keinen Abfall, dafür aber gesündere Kinder. Ganz anders ist das mit Muttermilchersatz und Milchprodukten für Kinder, die Umweltschäden bewirken und nach den Autoren ein global zunehmendes Problem darstellen.

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