Der Ruf nach einem neuen „digitalen Humanismus“ wird lauter


Bei der Ars Electronica in Linz und bei einem Denker-Festival in Wien haben Experten sich den Kopf über die Datenwelt zerbrochen. Die Forderung: Die Gesellschaft muss die Kontrolle über das Netz von den Konzernen zurückerlangen.

Thomas Seifert | Wiener Zeitung

Einen neuen digitalen Feudalismus konstatiert der Geschäftsführer und künstlerische Leiter der Ars Electronica, Gerfried Stocker, in einem Gespräch mit der „Wiener Zeitung“: „Feudalismus hat so lange funktioniert, als die Lehensherren in ihrer Welt der Burgen und Stadtmauern die Städte und Dörfer schützen konnten. Diese Herrschaftsform ist zusammengebrochen, als im Gefolge der Industriellen Revolution die Lehensherren dieses Schutzversprechen nicht mehr einzuhalten konnte. Die Menschen sagten sich: ‚Wenn die nicht mehr schützen können, dann brauchen wir sie nicht mehr.‘ Heute lautet die Frage: Wer kann uns in dieser digitalen Welt schütze? Das Aufkommen der starken Männer mit ihrem idiotischen einfachen Lösungen ist ein Zeichen dafür, dass viele das Vertrauen verlieren, dass die Demokratie, so wie wir sie heute haben, der beste Schutz der Gesellschaft ist.“

Die Macht der Algorithmen

Man muss sich die schiere Kapitalmacht der IT-Industrie vor Augen halten: Im Jahr 2018 haben die vier größten Internet-Giganten Google, Facebook, Amazon und Microsoft 77,6 Milliarden Dollar investiert. Das ist eine höhere Investitionssumme als jene der vier größten Ölkonzerne der Welt – Shell, Exxon, BP und Chevron (diese haben im selben Jahr 71,5 Milliarden Dollar investiert). Der Umsatz dieser Big-Four-Datenkonzerne entspricht dem Bruttoinlandsprodukt Österreichs plus der Nachbarländer Slowakei und Slowenien.

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