Katholische Kirchen in Polen: Zwischen Macht und Missbrauch


Über 500 Gläubige aus ganz Polen nahmen am 5. Oktober 2019 in Warschau am Rosenkranz-Marsch teil, den die Kirche und die rechtspopulistische PiS-Partei gemeinsam organisiert hatten. (Picture Alliance / ZUMA Press / Attila Husejnow)

Polen ist eines der am stärksten von der katholischen Kirche geprägten Länder in Europa. Ein Film über sexuellen Missbrauch hat das Vertrauen in die Kirche erschüttert. Das hat, kurz vor den Wahlen, auch Auswirkungen auf die Politik.

Margarete Wohlan | Deutschlandfunk Kultur

Sonntagmorgen im Zentrum Poznans, einer Stadt in Westpolen mit 540.000 Einwohnern. Über Lautsprecher wird der Gottesdienst nach draußen übertragen. Alltag in Polen. Seit fünf Jahren hat Poznan einen bekennenden Atheisten als Bürgermeister: Jacek Jaskowiak. Das ist ungewöhnlich für polnische Verhältnisse. Seine Haltung aber ist typisch für Polen, wo auch Atheisten die Bibel lesen.

„Ich bin heute Atheist, obwohl ich früher zu den Jesuiten wollte. Auf meinem Schreibtisch liegt die Bibel, in der ich mehrmals die Woche nachschlage – neben der Thora und dem Koran. Ich bin befreundet mit Priestern, mit Dominikanern und Jesuiten. Und gleichgültig, was die Kirche in der Politik heute anstellt, die Zusammenarbeit mit der Kirche vor Ort ist mir sehr wichtig. Bei der Hilfe für Obdachlose zum Beispiel – mit der Caritas verteilen wir 1.500 Mahlzeiten an sie und andere sozial Benachteiligte, wir bieten zusammen ärztliche Versorgung für Obdachlose an.“

weiterlesen