Wenn die Natur eigene Rechte bekommt


Verschiedene südamerikanische Länder haben, ausgehend vom indigenen Gedankengut, der Natur eigene Rechte zugesprochen. Doch was nützt es, wenn ein Fluss vor Gericht ziehen kann?

Ulrike Prinz | Neue Zürcher Zeitung

Die Waldbrände im Amazonasgebiet gehen langsam zurück. Noch im August zeigten Satellitenaufnahmen der Nasa über 86 000 Brände in Brasilien, Paraguay, Peru, Kolumbien und Bolivien. Allein in Brasilien stieg der Regenwaldverlust laut Berichten um fast das Dreifache: von 723 km² im Vorjahr auf 2092 km². Die Feuer haben aufgerüttelt und gezeigt, wie wichtig ein wirksamerer Schutz für das wichtigste Ökosystem der Erde wäre. Ein neuer Ansatz dafür ist die Anerkennung der Rechte der Natur, wie sie verschiedene Länder der Region tatsächlich bereits festgeschrieben haben.

Pacha Mama

Ecuador ging voran. 2008 nahm es die Natur als Rechtssubjekt in seine Verfassung auf und erkannte den indianischen Ausdruck «Pacha Mama» (Mutter Erde) als Synonym für die Natur an. «Pacha Mama, in der sich das Leben verwirklicht und realisiert, hat das Recht, in ihrer gesamten Existenz respektiert zu werden», heisst es in Artikel 72 der ecuadorianischen Verfassung. Und: «Jede Person, jede Gemeinschaft, jedes Volk oder jede Nationalität kann die zuständige öffentliche Autorität dazu auffordern, die Rechte der Natur umzusetzen.»

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