«Nazischwein» ist auch nur ein anderes Wort für Diskurs: Wie die Universität Hamburg Bernd Lucke in den Rücken fällt


Bernd Lucke nach seiner verhinderten Antrittsvorlesung an der Universität Hamburg. (Bild: Markus Scholz / DPA, Keystone)

Bei seiner Antrittsvorlesung an der Hochschule wurde der frühere AfD-Parteichef niedergebrüllt und bedrängt. Die Wissenschaftssenatorin und der Universitätspräsident scheinen dafür Verständnis zu haben. Mit keinem Wort kritisieren sie das, was ihrem Professor widerfahren ist.

Jonas Hermann | Neue Zürcher Zeitung

Die Warnung des Deutschen Hochschulverbands klang alarmierend. An denUniversitäten gebe es «Denk- und Sprechverbote», kritisierte der Verband im April. Warum man dort in Sorge ist, liess sich am Mittwoch exemplarisch an der Universität Hamburg beobachten. Der ehemalige AfD-Chef Bernd Lucke wollte an der Hochschule eine Vorlesung halten. Nicht als Gast oder als Privatdozent, sondern als verbeamteter Professor für Volkswirtschaftslehre im Dienste der Stadt Hamburg. Lucke verliess die von ihm mitgegründete AfD im Jahr 2015 und sass bis vor kurzem für die Partei Liberal-Konservative Reformer im Europaparlament. Die Universität hatte ihn beurlaubt. Er wurde nicht wiedergewählt und kehrt nun in seinen Beruf zurück.

An der Universität Hamburg hätte am Mittwoch seine Vorlesung über Makroökonomie starten sollen, doch dazu kam es nicht. Unter dem Motto «Lucke lahmlegen – keine Lehre am rechten Rand» hatte der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) zu einer Demonstration aufgerufen. Luckes Rückkehr in den akademischen Betrieb sei inakzeptabel, weil er als Mitgründer der AfD verantwortlich für «gesellschaftliche Verwerfungen» sei. Lucke hatte sich von der AfD abgewandt, als diese weit nach rechts rückte und er im Machtkampf um die Parteiführung unterlag.

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