Reduzierung des Bevölkerungswachstums als Klimaschutz


Bild: Frank Götmark/CC-BY-SA-4.0

Gerne wird für die armen Länder mit hoher Geburtenrate Empfängnisverhütung vorgeschlagen, um die Diskussion über eine Veränderung der Wirtschaft oder der Bekämpfung der Armut zu umgehen

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Die Weltbevölkerung wird nach Schätzungen bis 2100 um 3 Milliarden Menschen von jetzt über 7,7 Milliarden auf dann 10,9 Milliarden zunehmen. 2050 werden es bereits 9,8 Milliarden sein. Schon jetzt leben die Menschen, vor allem die der reichen Staaten, weit über die Verhältnisse, was die Nutzung der natürlichen Ressourcen betrifft. Wenn die ärmeren Länder mit einer hohen Fertilität sich weiter entwickeln, werden auch hier die CO2-Emissionen pro Kopf steigen. Zu der hemmungslosen Ausbeutung im Zeitalter des Anthropozäns und dem Massenaussterben der Arten kommt, dass die Klimaerwärmung durch menschliche Aktivitäten zu unwirtlichen Bedingungen auf Teilen des Planeten führen wird. Bei allen Versuchen, diese Entwicklung zu bremsen und eine nachhaltigere Wirtschafts- und Lebensweise zu entwickeln, ist klar, dass das weitere Bevölkerungswachstum ein Faktor ist, der die Situation verschlimmern kann.

Drei Milliarden mehr Menschen auf der Erde werden trotz aller Anstrengungen, die auch nur mäßig mit Klimapäckchen, wenn überhaupt vorankommen, die Umweltbelastung drastisch verstärken. Sie brauchen mehr Raum, verbrauchen mehr Ressourcen und machen Einsparungen zunichte. Allerdings ist die Diskussion oft schief, wenn es einerseits heißt, dass in den Ländern mit der höchsten Fertilität für Verhütung geworben werden soll, um neuerdings das Klima und die Umwelt zu schützen, obgleich ebenso bekannt ist, dass eine hohe Fertilität zwar auch mit der Kultur, vor allem aber mit Armut zusammenhängt.

Man müsste auch schon deswegen die Ökonomie verändern, die Armut schafft und erhält, aber auch die Natur ausbeutet, weil sie nichts kostet, und auf permanentes Wachstum angelegt ist, ein Krebs also, der zerstörerisch ist. Dazu kommt, dass eine Beschränkung des Bevölkerungswachstums eigentlich nur die Länder betrifft, die arm und unterentwickelt sind, also deren Pro-Kopf-Emissionen auch entsprechend niedrig sind, während die reichen Länder, in denen die Lebenserwartung viel höher ist, „vergreisen“, mitunter auch schrumpfen, und neben Zuwanderung auf mehr Geburten setzen, um die Wirtschaft und die sozialen Systeme aufrechtzuerhalten. Zwar hört man gerne in Bezug auf Entwicklungsländer die Forderung nach Reduktion des Bevölkerungswachstums, aber kaum etwas über Konzepte, durch aktive Schrumpfung der Bevölkerung und Einschränkung der Familienförderung Ressourcen zu schonen und Klimaschutz zu betreiben.

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