Von der Jagd auf Eisbären und dem „Genuss“ verrotteter Bartrobben


Der Verhaltensforscher Niko Tinbergen besuchte vor fast 90 Jahren Ostgrönland und schildert in „Eskimoland“ den exotischen Alltag eines Jägervolks

Klaus Taschwer | DERSTANDARD

Angesichts des Schwalls an seltsamen Meldungen, die der US-Präsident tagtäglich absondert, ist eine seiner haarsträubenderen Ideen womöglich schon wieder halb vergessen: Im Sommer wollte Donald Trump Grönland kaufen. Über seine Absichten kann man nur spekulieren: Waren es geostrategische Überlegungen? Oder die Bodenschätze?

Vielleicht ging es auch nur um sein Versprechen „Making America Great Again“: Mit Grönlands zwei Millionen Quadratkilometern zusätzlich würden die USA Kanada überholen und zum zweitgrößten Staat der Erde werden. Doch die Dänen verweigerten den „Deal“ und ließen sich das arktische Territorium nicht abkaufen. Die logische Folge: Trump schmollte wie ein Siebenjähriger und sagte prompt seinen Staatsbesuch ab.

Eine Expedition als Hochzeitsreise

Zu Dänemark gehört Grönland ganz offiziell seit 1933. Und just zu dieser Zeit befand sich der niederländische Zoologe und Verhaltensforscher Niko Tinbergen gemeinsam mit seiner Frau an der wenig erforschten Ostküste der größten Insel der Welt. Als die beiden im Juli 1932 aufbrachen, hatte Tinbergen mit 25 gerade seinen Doktor in Zoologie gemacht, seine Frau Lies war überhaupt erst 20. Die abenteuerliche Expedition, bei der aufwendige ornithologische Beobachtungen im Zentrum standen, war zugleich auch eine Art Hochzeitsreise, denn die beiden hatten unmittelbar vor der Abfahrt geheiratet.

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Eine norwegische (und ziemlich voyeuristische) Dokumentation über die Ostgrönländer aus dem Jahr 1926, also kurz vor dem Besuch Tinbergens. Am Beginn wird der typische Trommeltanz gezeigt, ab 9:11 ist der (wohl eher inszenierte) dramatische Überlebenskampf eines gekenterten Kajakjägers zu sehen. Holger Lockertsen