Wenn sich Özil zum PR-Clown für einen Autokraten macht, dann ist das für ihn Ausdruck von Respekt


Der deutsche Fussballer Mesut Özil sorgt sich in einem Interview um den Rassismus in Deutschland. Zur Türkei fällt ihm nichts ein, ausser Erdogan seinen Respekt zu erweisen.

Benedict Neff | Neue Zürcher Zeitung

Was ist das Grundgefühl im Leben eines erfolgreichen, modernen und deswegen hochsensiblen Fussballers? Es ist das Gefühl eines permanenten Beleidigtseins. Was hat ein solcher Spieler nicht alles geleistet, im Stadion, mit seinen Stiftungen? Aber allzu oft sieht er sich nur mit Kritik, Kleinmut und Undankbarkeit konfrontiert. Die Öffentlichkeit versteht ihn nicht, und deswegen versteht er die Welt nicht. Mesut Özil, deutscher Fussballer mit türkischen Wurzeln, ist einer, der dieses Branchengefühl verkörpert.

Im Mai 2018 traf Özil (l.) den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in London und schenkte ihm sein Trikot. (Bild: Reuters)

Im Mai 2018 traf er den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in London und schenkte ihm sein Trikot. Was für Özil eine schöne Geste war, rief in der Öffentlichkeit heftige Kritik hervor bis hin zu Beschimpfungen. Im Juli 2018 gab er seinen Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft bekannt, nach einer miserablen Weltmeisterschaft für sein Team. Er sei «Deutscher, wenn wir gewinnen, aber ein Einwanderer, wenn wir verlieren», schrieb Özil zerknirscht – und Deutschland verfiel in eine hysterische Debatte über Rassismus.

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