Hallo Job, tschüss Gott: Der Berufseinstieg als Grund für den Kirchenaustritt


Als Gero*, 24, ins Amtsgericht Mitte in Berlin kommt, muss er sich erst einmal orientieren. Dutzend Schilder weisen in verschiedene Richtungen. Dann entdeckt er die Hinweistafel, nach der er gesucht hat: Kirchenaustritte.

Maximillian Senff | bento

Der Brand-Manager klopft an die Tür des Amtszimmers, unterschreibt einen Zettel und verlässt es zehn Minuten später, so erinnert er sich. Jetzt hat er es schriftlich: Gero ist jetzt kein Mitglied der evangelischen Kirche mehr.

Gero hat sich nicht wegen der Missbrauchsskandale von der Institution verabschiedet, nicht wegen seiner Homosexualität, auch nicht, weil er grundsätzlich nichts vom Glauben hält. Es liegt am Geld, genauer: an der Kirchensteuer.

Zwei Wochen nach Geros Austritt beginnt sein erster Job, er bekommt jetzt ein festes Gehalt. Von seinem Lohn würde ihm der Kirchenbeitrag als Teil der Einkommenssteuer abgezogen. Neun Prozent davon wären das zurzeit. Doch Gero möchte dieses Geld lieber für sich behalten.

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