Verteidigungsminister Artis Pabriks bezeichnet SS-Legionäre als Stolz des lettischen Volkes


Die Heldenverehrung markiert eine veränderte Haltung der offiziellen Politik Lettlands. Der einseitige Antibolschewismus ist Folge eines historischen Traumas und belastet das Verhältnis zu Russland

Udo Bongartz | TELEPOLIS

Der Minister beteiligte sich am 27. September 2019 an einer Gedenkveranstaltung im Ort More, 60 Kilometer von Riga entfernt, wo Veteranen und ihre Gesinnungsgefährten, Vertreter der nationalen Armee, der Nationalgarde und der militärischen Jugendorganisation Jaunsardze der Abwehrschlacht gedachten, die hier vor 75 Jahren lettische SS-Legionäre der Roten Armee geliefert hatten. Die lettischen Soldaten, größtenteils von der SS zwangsrekrutiert, vermochten hier den Rotarmisten standzuhalten, um deren Einmarsch in die noch von Deutschen besetzte lettische Hauptstadt zu verzögern.

Umzug der SS-Legionäre am 16. März 2008 in Riga. Bild: Dezidor/CC BY-SA-3.0

Aus diesem Anlass hielt Pabriks eine Rede, in der er die SS-Legionäre als Helden seines Landes rühmte: „Unsere Verpflichtung ist es, diese lettischen Patrioten aus tiefster Seele zu ehren. Denken wir daran, dass sich die Zahl der Legionäre in unserer Mitte leider von Jahr zu Jahr verringert, derzeit sind es in der Reihe des Soldatenvereins der Nationalarmee gerade noch etwas über 30. Wir werden das Andenken der gefallenen Legionäre in Ehren halten, wir werden niemandem erlauben, es herabzuwürdigen! Lettlands Legionäre sind der Stolz des lettischen Volkes und des Landes.“ Er fügte hinzu, dass die lettische Erinnerung an ihren Kampf „glanzvoll“ und „ewig“ sei und dass seine Landsleute neben den Gräbern und Denkmälern der Legionäre Kraft schöpften.

In den lettischen Medien fanden diese spektakulären Ministerworte kaum Widerhall. Die Tageszeitungen Diena und Latvijas Avize referierten Pabriks Äußerungen kommentarlos.

Auf Lsm.lv, dem Internetportal der öffentlich-rechtlichen Medien, erschien kein lettischer Beitrag, stattdessen wurden dort die Pabriks-Zitate ins Russische übersetzt. So erfuhr die russische Sputnik-Redaktion vom Vorfall, der nun international Beachtung fand. Die PR des Verteidigungsministeriums änderte zwar auf ihrer Webseite noch den Titel zu den Pabriks-Zitaten von „Lettlands Legionäre sind der Stolz des lettischen Volkes und des Landes“ in „Ehrung für die in der More-Schlacht gefallenen lettischen Soldaten“, doch der Eklat ließ sich nicht mehr verhindern.

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