Aus dem Abwasser lassen sich soziodemografische Rückschlüsse ziehen


Reichere und ärmere Wohnviertel unterscheiden sich erheblich, wenn man wie jetzt australische Wissenschaftler das Abwasser untersucht und mit sozioökonomischen Daten verbindet

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Faultürme des Emscherklärwerks in Bottrop. Bild: NatiSythen/CC BY-SA-3.0

Die Kluft zwischen Arm und Reich nimmt zu. Das ist gut für die Reichen, für die Abgehängten nicht, deren Lebenserwartung deutlich hinter der der Reichen zurückbleibt. Sie führen also nicht nur ein kargeres Leben, sondern sterben auch noch früher. Glücklich, wer reich geboren wurde oder es schaffte, sich in die privilegierte Schicht heranzuarbeiten. Die ärmeren Schichten haben nicht nur ein geringeres Einkommen, mit dem sie kaum oder nicht um die Runden kommen, ihre dadurch bedingte Lebensweise drückt sich auch in ihren Hinterlassenschaften aus, also in ihrer Kacke.

Geld stinkt nicht, hieß es in der römischen Antike. Stimmt nicht, Reichtum stinkt anders als Armut. Das ist auch kaum verwunderlich, schließlich essen und trinken Reiche anderes als Arme, sie nehmen auch andere Medikamente ein als diejenigen, die am Existenzminimum entlangkreuchen. Bislang wurde mit der Abwasseruntersuchung gerne geschaut, wo die Menschen welche Drogen und Medikamente zu sich nehmen, die Abwasser-Epidemiologie setzt deutlich breiter an und entwickelt ein Instrument, um den Ernährungs- und Gesundheitszustand der Menschen aus einem bestimmten geografischen Gebiet zu analysieren.

In Australien haben Wissenschaftler an sieben aufeinanderfolgenden Tagen Proben von 22 Kläranlagen entnommen und nach 42 Biomarkern analysiert. Abwasser sei eine „Fundgrube für Chemikalien, die Bevölkerungsverhalten und Gesundheitszustand widerspiegeln“. Die Ergebnisse wurden verglichen mit Ergebnissen der Volkszählung 2016, die Aufschluss gaben über die Mietpreise, Arbeitslosenquote oder Ausbildungsgrad in den untersuchten Gebieten, aber auch über die Medikamente und Drogen. Es zeigten sich, so schreiben sie in ihrer Studie, die in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) erschienen ist, soziodemografische Unterschiede zwischen reichen und armen Gebieten, die sich im Abwasser manifestierten.

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