Die Kinder des IS


Man nennt ihn „Oktopus“. Abu Hatem Shakra ist sehr geschäftstüchtig, er hat viele Einnahmequellen, seine Beziehungen reichen bis in höchste Ämter. Seine Spezialität ist ein Gemisch aus Verbrechen und Terror, dabei zeigt er einigen Einfallsreichtum.

Thomas Pany | TELEPOLIS

Grafik: TP

Seine Miliz Ahrar al-Sharqiya, zuletzt in Schlagzeilen mit brutalen Morden im Zuge der türkischen Offensive in Nordsyrien, hat kürzlich den Möglichkeitsraum zur Frage erweitert, was mit den IS-Gefangenen in den kurdischen Lagern passieren soll, wenn die kurdischen Sicherheitskräfte die Lagerinsassen nicht mehr bewachen können oder aus Sicherheitsgründen nicht mehr bewachen wollen, wie dies im Lager Ain Issa der Fall war.

Ahrar al-Sharqiya hat, wie es die britische Journalistin Josie Ensor berichtet Frauen, die aus dem Lager in Ain Issa befreit wurden, „in Obhut“ genommen und versucht, deren Familien zu erpressen. Dabei wurden offenbar Mütter und Kinder voneinander getrennt. Es kursieren Gerüchte, so Ensor, dass die Türkei neue Lage für die frei gekommenen IS-Anhängerinnen und ihre Kinder in der „Sicherheitszone“ errichten will. Dort würden sie dann „De-Radikalisierungsprogramme“ durchlaufen.

Aber, wie die Korrespondentin für den britischen Telegraph hinzufügt, „die Situation ist ziemlich fluid“. Keiner weiß genaues. Klar wird langsam, dass das Problem der IS-Gefangenen in den kurdischen Lagern monströs ist.

Die europäischen Länder sind übrigens nicht die einzigen, die davor zurückscheuen. Tunesien weigert sich ebenfalls, IS-Anhänger zurückzunehmen. „Von allen Nationalitäten rangieren die tunesischen Frauen ganz oben, wenn es um die Unerschütterlichkeit geht, mit der sie die Sache des IS innerhalb des Lagers vertreten“, schreibt der US-Dschihadexperte Aaron Y. Zelin in einem aktuellen Lagebericht zum Camp al-Hol (englisch oft: Al-Hawl) in der Nähe der nordsyrischen Stadt al-Hasaka.

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