Hans Blumenberg posthum: Der Preis der Wahrheit


Hans Blumenbergs Werk war eine tief greifende Auseinandersetzung mit den einschneidenden Krisen der Menschheitsgeschichte und den geistigen Grundlagen einer neuen Epoche. Aus dem umfangreichen Nachlass des Philosophen erscheint nun ein Buch, in dem es um nichts Weiteres geht als: „Die nackte Wahrheit“.

Leander Scholz | Deutschlandfunk

Karteikarten aus den Zettelkästen des Philsophen Hans Blumenberg in einer Ausstellung in Marbach am Neckar (picture alliance / dpa / Franziska Kraufmann)

Alles beginnt mit einem Verdacht. Der Mensch ist allein im Universum, nackt und verletzlich. Es gibt keinen Gott und kein Heil. Die Welt ist unbarmherzig, trügerisch und voller Verstellungen. Auf nichts ist Verlass. Und die Natur ist grausam. Sie gewährt keinen Schutz. Alles muss ihr mühselig abgepresst werden, die Nahrung, die Kleindung, das ganze Leben. Ebenso verhalten sich die Menschen. Sie sind feindselig gegeneinander. Sie betrügen und überlisten sich, wo es nur geht. Zuweilen kann einem das Leben daher wie ein böser Traum erscheinen, aus dem es kein Erwachen gibt.

Die Neuzeit als Bezugsrahmen

Das ist die conditio humana am Beginn der Neuzeit, die der Philosoph Hans Blumenberg in zahlreichen Texten und Büchern herausgearbeitet hat. Der moderne Mensch ist nicht aus Optimismus geboren, sondern aus dem Zwang zum Überleben. Seine Existenz verdankt er der Katastrophe eines nie dagewesenen Verlusts an Orientierung, in dem alle überlieferten Gewissheiten untergegangen sind.

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