Von der evangelischen Kirche in der NS-Zeit im Stich gelassen


Aus Sicht der Nazis blieben Juden auch nach einer christlichen Taufe Juden. Die Betroffenen wurden erst entrechtet, dann deportiert und ermordet. Die evangelische Kirche setzte sich kaum für diese Christen ein. Erst jetzt wird das Kapitel wissenschaftlich aufgearbeitet.

Mechthild Klein | Deutschlandfunk

Erst jetzt wird wissenschaftlich aufgearbeitet, wie die evangelische Kirche in der NS-Zeit mit konvertierten Juden umging (picture alliance/Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa)

„Für die Nationalsozialisten waren Christen jüdischer Herkunft Juden – sie haben ausschließlich in Rasse-Kategorien gedacht. Und insofern spielte die Taufe überhaupt keine Rolle. Ein Hamburger Gestapo-Beamter hat das mal auf den Punkt gebracht: „Wenn man einen Hund mit Wasser übergießt, bleibt er immer noch ein Hund.“

Die Hamburger Historikerin Ursula Büttner forschte viele Jahrzehnte lang über die Verfolgung von Christen jüdischer Herkunft.

„Für die Nationalsozialisten war das Ziel klar: alle Juden aus dem deutschen Volk und Herrschaftsbereich zu entfernen. Es war nicht von Anfang an klar, dass das durch Mord geschehen würde. Aber doch durch Vertreibung, Auswanderung. Und nachdem sich herausgestellt hatte, nach Kriegsbeginn, dass das nicht mehr möglich sein würde, dann durch Mord.“

weiterlesen