Mit Homöopathie gegen Krebs?


Ärzte einer Schweizer Privatklinik behandeln Krebserkrankungen mit Homöopathie und bilden in Österreich Mediziner weiter – mit dem Segen der Ärztekammer

Christian Kreil | DERSTANDARD

Was wäre, wenn? Wenn ein Ordenskrankenhaus gegenüber Nierenkranken behauptet, dass man mit Weihwasser aus Lourdes – äußerlich angewandt – so gute Erfahrungen bei Niereninsuffizienz gemacht hat? Wenn ein österreichischer Urologe sein Wissen über in Ghana gut etablierte Voodoo-Rituale lüftet und dem Patienten empfiehlt, fünf Hühnern und einem Welpen die Kehle durchzuschneiden, um die Göttin Mawu-Lisa zu besänftigen und damit auch die vergrößerte Prostata? Den Ärzten mit Faible für westafrikanischen oder südfranzösischen Zauber wäre eine Vorladung vor die Ethikkommission der Ärztekammer sicher und der Spott der Kollegen. Wenn eine noble Privatklinik damit wirbt, Krebserkrankungen mit Homöopathie behandeln zu können? Dann – allerdings – hat sie den Sanktus der Ärztekammer Steiermark.

Krebspatienten mit Homöopathie behandeln – eine Schweizer Klinik macht das. Foto: istockphoto.com/de/portfolio/fatcamera

„Man muss das leider fast heimlich tun“

Die verstorbene Brustkrebs-Patientin wurde in der Klinik laut dem MDR-Beitrag vom Homöopathen Jens Wurster behandelt. In seinem Buch „Die homöopathische Behandlung und Heilung von Krebs und metastasierter Tumore“ beklagt Wurster weniger die Opfer seiner unwirksamer Methoden, sondern die Umstände, mit denen sich die Wucherzucker-Scharlatanerie herumschlagen muss: „Wenn man Tumorpatienten nur homöopathisch behandeln möchte, muss man das leider heutzutage leider fast noch heimlich tun, um nicht als verantwortungslos von den lieben ärztlichen Kollegen bezeichnet zu werden.“

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