Gammelfleisch-Skandal mit Ansage


Mit bakterienverseuchter Salami machte eine hessische Wurstfabrik kürzlich von sich reden. Der Lebensmittel-Skandal ist kein Einzelfall

Susanne Aigner | TELEPOLIS

Insgesamt drei Todesfälle und rund 40 Erkrankungen wurden im Zusammenhang mit den mit Listerien belasteten Wurstwaren des Herstellers Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH & Co. KG aus dem hessischen Twistetal gemeldet. Seit 2014 seien die Erreger in insgesamt 37 Fällen nachgewiesen worden, heißt es vonseiten des Robert-Koch-Instituts (RKI), meist bei Menschen in Krankenhäusern und Altenheimen.

Listeriose ist eine Krankheit, die durch Listerien (Listeria monocytogenes) in verdorbenen Lebensmitteln wie Geflügel, Fleisch, Wurst, Fisch, Milch und Käse oder vorgeschnittenen Salaten hervorgerufen wird. Die Bakterien überleben auch in eingeschweißten Lebensmitteln. Für geschwächte, kranke Menschen oder Schwangere, die viele Bakterien aufgenommen haben, kann die Krankheit tödlich verlaufen.

Normalerweise werden die Keime bei Hitze abgetötet, erklärt eine Expertin im NDR-Interview. In diesem Fall sei auch Brühwurst betroffen gewesen, die sogar vorher erhitzt wurde. In jedem Fall können sich die Keime bei mangelhafter Hygiene schneller verbreiten. Würden die Hygienevorschriften mit entsprechenden Kontrollen eingehalten, sollte man die Produkte eigentlich bedenkenlos genießen können.

Im Fall Wilke jedoch waren die hygienischen Missstände in Produktion und Lagerung zu spät erkannt und viel zu spät gemeldet worden. Die Wurst wanderte als Aufschnitt in Restaurants, Krankenhäuser und an Catering-Firmen. Sie wurde als Handelsmarke unter anderem Namen in Ikea-Restaurants in Wursttheken von Metro und Kaufland verkauft, an Krankenhäusern und Kinderkrippen geliefert, vermutlich auch in Fertiggerichten angeboten. Noch einen Tag nach dem öffentlichen Rückruf wurde sie in einer Reha-Klinik in Köln an Patienten verteilt.

Bemerkenswert ist die Langsamkeit, mit der die Behörden nach den ersten Verdachtsmomenten reagierten: So soll das hessische Umweltministerium bereits am 12. August 2019 vom Listerien-Verdacht durch das Robert-Koch-Institut erfahren haben. Am 16. September lagen die Laborergebnisse vor. Zwei Tage später informierte das Ministerium das zuständige Regierungspräsidium Kassel darüber. Und anstatt spätestens jetzt einen Rückruf der Ware zu veranlassen, wartete das Ministerium noch zwei weitere Wochen ab.

Laut FAZ hat die Kasseler Staatsanwaltschaft gegen den Geschäftsführer, der mit einem Mal unauffindbar war, ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung eingeleitet. Inzwischen hat die Firma Insolvenz angemeldet. Immerhin: Die rund 200 Mitarbeiter erhielten noch ihr letztes Gehalt für September.

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