„Wir brauchen Drogen-Fachgeschäfte“


Suchtforscher Heino Stöver fordert einen staatlich kontrollierten Markt für Drogen. Damit hätten Dealer im Görlitzer Park keine Geschäftsgrundlage mehr.

Julius Betschka | DER TAGESSPIEGEL

Es wird viel diskutiert im Umgang mit der Drogenkriminalität im Görlitzer Park. Von nächtlichen Parkschließungen bis hin zu mehr Polizei. Wie soll man verfahren, um den Park von den Drogen zu befreien? Ist Polizeipräsenz die Antwort? Der Suchtforscher Heino Stöver hat einige Ideen.

Herr Stöver, im Görlitzer Park wird mit Drogen gedealt, zuletzt stieg auch die Gewalt. Jetzt soll – mal wieder – mehr Polizei helfen. Kann das klappen?
Der Görlitzer Park ist mit polizeilichen Mitteln allein nicht in den Griff zu bekommen. Die Menschen, die hier Drogen verkaufen, bewegen sich am unteren Rand der Strafbarkeit. Es bringt kaum etwas, gegen sie vorzugehen.

Soll die Politik zusehen?
Nein, die Lösung kann nicht sein, wegzuschauen. Das ist oft die Reaktion – in Kreuzberg, aber auch in ganz Deutschland. Die Politik zieht den Kopf ein und überlässt der Polizei den Drecksjob. Aber diese kann das gesellschaftliche Problem nicht lösen. Die Bürger verstehen nicht, dass offen Drogen verkauft werden.

Die Politik scheint dem oft hilflos gegenüberzustehen. Warum?
Das hat damit so tun, dass Drogenkonsum in Deutschland so ein Schmuddelthema ist, mit dem man keine Wähler gewinnt. Deshalb wurde Jahrzehnte lang auf die Waffen der Polizei gesetzt.

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