Frankreich: Neu entflammte Kopftuch-Diskussion


Eine Mutter mit Kopftuch bei einem Klassenausflug und die Versuche, dies politisch zu kapitalisieren. Zur Lagerbildung gehört, dass sie intelligente Lösungen erschwert

Thomas Pany | TELEPOLIS

Die Kopftuch-Diskussion ist in Frankreich wieder aufgeflammt. Es ist bei genauerer Betrachtung ein komplizierteres Thema, als es die großen Lager, die sich darum bilden, erkennen lassen. Zu den Eigenheiten der Lagerbildung gehört, dass sie sozial intelligente Lösungen erschweren.

Wie eine solche aussehen kann, berichtete dem Autor ein Lehrer aus Montpellier. Vor einem Schulausflug wurde der Lehrer benachrichtigt, dass die Mutter eines Schülers teilnehmen wolle, von der bekannt war, dass sie gewöhnlich mit einem Kopftuch bekleidet ist, das deutlich Zeichen ihrer Religionszugehörigkeit gibt. Das könnte möglicherweise zu Problemen führen, sei es durch andere Eltern, sei es in der Öffentlichkeit, so das Gefühl des Lehrers.

Das entsprechende Gesetz von 2004 verbietet der Mutter das Tragen eines solchen Kopftuchs nicht. Der Lehrer unterhielt sich mit der Mutter, ohne ihr Kleidervorschriften zu machen. Sie kam zum Klassenausflug mit einem „dezenten Kopftuch“, das mehr dekorativ wirkte denn als ostentatives Signal ihrer Religionszugehörigkeit. Es gab keine Probleme.

Anlass für die gegenwärtige Polemik, die von französischen Medien aufgenommen wird, ist ein Zwischenfall in einem Regionalparlament (conseil régional Bourgogne-Franche-Comté). Dort richtete sich am 11. Oktober ein Abgeordneter des Rassemblement National (RN), der Nachfolgepartei des Front National, in einer zunehmend aggressiven Weise direkt an eine Besucherin, die eines der Kopftücher trug, die deutlich machen, dass die Trägerin eine Muslima ist. Er forderte sie auf, dass Kopftuch sofort abzunehmen, da sie sich in einem öffentlichen Gebäude aufhält. Seine Worte waren scharf und ganz offensichtlich verletzend.

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