Raus aus dem System der Missbrauchstäter


Thomas Hanstein ist Coach, Autor – und Diakon. Er bat um Freistellung vom kirchlichen Amt, weil er sich in einem System fühlte, in dem Missbrauchstäter sitzen, sagte er im Dlf. „Für mich ist nicht nachvollziehbar, warum es für viele andere Kirchenobere offensichtlich einfach so weiterging.“

Thomas Hanstein im Gespräch mit Christiane Florin | Deutschlandfunk

Christiane Florin: Im Vatikan beraten gerade katholische Bischöfe über Reformen. Oberhirten werden sie genannt, sie selbst sehen sich in der Nachfolge Jesu, des guten Hirten. Mein Gesprächspartner Thomas Hanstein ist weder Bischof noch Pastor, aber er war persönlicher Referent eines Bischofs und eine Weihe hat er auch, nämlich die eines Diakons.

Thomas Hanstein arbeitet derzeit als Coach. Auf eigenen Wunsch ist er vom Diakonenamt freigestellt. Stopp, so geht‘s nicht weiter, soll das heißen, für ihn persönlich, aber vor allem für seine Kirche. Warum er dieses Zeichen setzt, erklärt er in einem Buch. Es heißt „Von Hirten und Schafen“. Mit Thomas Hanstein habe ich gesprochen und ich habe ihn zunächst gefragt: Sind Sie Hirte oder Schaf?

Thomas Hanstein: Ich halte von den Schafen als Metapher überhaupt nichts. Da ist mir ein schönes Buch von Rini van Solingen, einem holländischen Organisationsentwickler in die Hände gefallen: „Der Bienenhirte“. Und das könnte man leicht auf die Kirche übertragen. Ich möchte mich eher als Biene sehen.

Florin: 2010 sind Sie zum Diakon geweiht worden. Warum wollten Sie ein geweihter Mann sein?

Hanstein: Ich war schon fünf Jahre Lehrer, schon sieben Jahre Theologe. Als Jugendlicher hat mich die Kirche stark geprägt als alternativer Lebensraum. Und ich habe in dieser Zeit als Lehrer mit einem evangelischen Schulpfarrer, also in kirchlicher Anstellung, eine Schulseelsorge aufgebaut und habe mir da noch Handwerkszeug im Sinne der seelsorglichen Gesprächsführung gewünscht und mich für das Diakonat aber nicht nur aus diesem praktischen Grund entschieden, sondern: Das Diakonat ist vor 50 Jahren wiedereingeführt worden und für mich war das damals revolutionär, vielleicht heute mehr als damals, wenn man die Entwicklung in der Kirche anschaut. Weil nämlich im ständigen Diakonat aus meiner Sicht Amt und Sexualität zusammengeführt werden. Das könnte ein Modell sein für das Amt der Kirche überhaupt. Denn wir haben keine Dreiteilung des Amtes. Wir sind in einem Amt – Diakone, Priester und Bischöfe – miteinander verbunden. Kirchenrechtlich werde ich Kleriker – so heißt das Wort – mit der Weihe zum Diakon, nicht mit der Weihe zum Priester.

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