Das Wort Gottes hat eine sehr irdische Geschichte: Wie die Bibel entstanden ist


Von den heiligen Schriften im alten Israel über die ersten Evangelien bis zum Kanon der Bücher des Alten und Neuen Testaments, das ist ein langer Weg. Wann die Bibel so war, wie wir sie heute kennen, ist gar nicht so einfach zu sagen.

Helmut Zander | Neue Zürcher Zeitung

Die Bibel ist nicht vom Himmel gefallen. Im Gegenteil, sie hat – was bei fundamentalistischen Juden und Christen die Nerven blank liegen lässt – eine ganz menschliche Geschichte. Diese haben Konrad Schmid und Jens Schröter, protestantische Professoren für die Geschichte biblischer Literatur, rekonstruiert. Wir erfahren, was es bedeutete, den Schritt von einer mündlichen zur einer Schrifttradition zu gehen, eine Entwicklung, die sich im vorexilischen Israel und Juda seit etwa dem 9. vorchristlichen Jahrhundert vollzog.

Die Bibel ist heute ein fester Begriff. Aber welche Bücher zur Bibel gehören, war Gegenstand jahrhundertelanger Auseinandersetzungen. (Bild: Stefan Zeitz / Imago)

Ausserdem klären uns die beiden Autoren über die formative Phase intellektueller Literaturproduktion während und nach dem babylonischen Exil seit dem Jahr 597 auf, also zwischen dem 6. und 4. Jahrhundert v. Chr. Dies ist das vielleicht faszinierendste Kapitel des Buches, weil es die Idee eines punktgenauen «Ursprungs» der Bibel auflöst. Vielmehr lässt sich zeigen, wie der Untergang Israels unter den Eroberungsschlägen der Babylonier und die Rückkehr der intellektuellen Priesterschaft nach Jerusalem die Frage freisetzte, was denn die Grundlage der Identität eines jüdischen Volkes sei.

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