Niemand braucht Religionsunterricht


Ist konfessioneller Religionsunterricht an Schulen angesichts sinkender Schülerzahlen und Lehrermangels ein Auslaufmodell? Mitnichten, meint der Fundamentaltheologe Gerd Neuhaus. Dabei komme es aber auf mehrere Komponenten an.

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Sie waren viele Jahre lang selbst Religionslehrer. Gibt es diesen Beruf vielleicht bald nicht mehr?

Prof. Dr. Gerd Neuhaus (Ehemaliger Religionslehrer und Studiendirektor am Abtei-Gymnasium in Duisburg und außerplanmäßiger Professor für Fundamentaltheologie an der Ruhr-Universität in Bochum): Die Frage ist berechtigt. Ich bin aber optimistisch. Auf der einen Seite sehe ich sehr deutlich, dass das Interesse am Fach Religion abnimmt. Ich sehe die geringer werdende Anzahl der Getauften. Ich sehe auch in großer Sorge, dass das Fach Religion seit vielen Jahren häufig im Ruf steht, ein „Laber-Fach“ zu sein.

Wenn sich aber umgekehrt der Religionsunterricht auf seine Sache besinnt und theologisch anspruchsvoll ist, dann ist er nicht nur für Getaufte, sondern auch für Ungetaufte interessant.

DOMRADIO.DE: Man hat manchmal das Gefühl, der Religionsunterricht wird einigermaßen stiefmütterlich behandelt. Er wird zum Teil fachfremd unterrichtet, weil auch die Religionslehrer fehlen. Eine Konsequenz könnte sein, dass man die Schüler egal welcher Religion in einer neutralen Religionskunde unterrichtet. Was halten Sie davon?

Neuhaus: Das halte ich für möglich. Aber da geht etwas ganz Wichtiges verloren. Die katholische Theologie ist in Ihrer Geschichte in besonderer Weise immer einem Vernunftbezug verpflichtet gewesen. Dieser Vernunftbezug, der sich bemüht, Glaubensaussagen in einem Forum zur Sprache zu bringen, das auch den Nicht-Glaubenden offensteht, bedeutet eine große Chance für den Religionsunterricht.

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