Das Ende eines kalten Fanatikers


Er hinterlässt ein politisches Chaos und eine endlose Blutspur im Irak und in Syrien. Was den selbsternannten Kalifen antrieb, war der Hass gegen die Schiiten und den Westen.

Inga Rogg, Andreas Ernst | Neue Zürcher Zeitung

Es war der Höhepunkt seiner Laufbahn. Im Juli 2014 ernannte sich Abu Bakr al-Baghdadi im irakischen Mosul zum Kalifen seines Islamischen Staates. Er hatte die lange gepflegte Zurückhaltung abgelegt und zeigte sich erstmals in der Öffentlichkeit. «Anders als die Könige und Herrscher verspreche ich euch nicht Luxus, Sicherheit und Entspannung», sagte Baghdadi in einer Predigt wenig später. «Stattdessen verspreche ich euch, was Allah seinen wahren Gläubigen versprach.» Er rief die Sunniten auf, sich in seinem Kalifat, das vom Osten Syriens bis tief in den Zentralirak reicht, niederzulassen und sich im Fastenmonat Ramadan dem heiligen Krieg anzuschliessen. Die Zeit sei gekommen, die Würde, die Macht und die Rechte der Sunniten wiederherzustellen, kündigte Baghdadi an.

Das Ende kam fünf Jahre später. Am Samstag setzten amerikanische Helikopter ein Kommando beim Dorf Barisha im Norden der Provinz Idlib ab. Eingekreist und ohne Fluchtmöglichkeit zündete Baghdadi seine Sprengstoffweste. Der verstümmelte Leichnam wurde später mit einer DNA-Probe identifiziert und an einem unbekannten Ort dem Meer übergeben. Eine beispiellose Terrorkarriere ist damit zu Ende gegangen. Sie hat entscheidend dazu beigetragen, eine ganze Region in Chaos, Blut und Schrecken versinken zu lassen.

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