Streit von sechs Konfessionen am Grab Jesu


Die Grabeskirche ist Anziehungspunkt für Pilger und Touristen aus aller Welt. Mehrere Konfessionen teilen sich das Bauwerk – das führt zu Spannungen

Lissy Kaufmann | DERSTANDARD

Ach ja, die Holzleiter. Pater Athanasius atmet tief durch. In seiner braunen Mönchskutte steht er vor dem Eingang der Grabeskirche in Jerusalem, es ist kurz nach zehn am Morgen. Es ist heiß, er schwitzt. Und jetzt soll er auch noch erzählen, was es mit dieser alten Leiter mehrere Meter oberhalb des Eingangs auf sich hat. Pater Athanasius, der aus Texas stammt, hatte gehofft, dem Thema zu entkommen. Schließlich sei das nur Folklore. Doch es hilft nichts: „Diese Leiter hat heute keine Funktion mehr“, erklärt er dann. Sie gehöre den Armeniern, und die ließen sie seit mehr als 150 Jahren als Zeichen ihrer Souveränität über jenem Gebäudebereich stehen. „Eigentlich müsste sie entfernt werden.“

Schon vor dem Eingang wird deutlich, dass die Dinge in diesem Gotteshaus, einem der wichtigsten Heiligtümer der Christenheit, kompliziert sind. Ärger und Frust bleiben da nicht aus. Es kam schon zu Schlägereien unter Mönchen, manches Mal gingen sie mit Besen aufeinander los, auch die Polizei musste bereits einschreiten.

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