Bolsonaro unter Verdacht

Bild von Jose Antonio Núñez auf Pixabay

Brasiliens Präsident könnte in den Mord an einer Linken-Politikerin verwickelt sein. Jair Bolsonaro verteidigt sich in einem Video voller Anschuldigungen.

Philipp Lichterbeck | DER TAGESSPIEGEL

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro war wütend. Er schimpfte auf die Medien, bezeichnete „Globo“, den größten Medienkonzern des Landes, als „verfault, schweinisch, eklig, amoralisch und schamlos“. Mehrfach rief er: „Was wollt ihr?“ Und bekräftigte: „Ich habe überhaupt keinen Grund, irgendjemanden in Rio umzubringen.“ Es musste viel passiert sein, dass Brasiliens Präsident am Mittwochmorgen um kurz vor vier Uhr in Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad aus dem Bett stieg, um ein 23-minütiges Video aufzunehmen. Bolsonaro ist derzeit zum Staatsbesuch auf der Arabischen Halbinsel, er hatte mit Kronprinz Mohammed bin Salman einen Deal über Investitionen von 15 Milliarden Dollar in Brasilien vereinbart, darunter riesige Hotelanlagen in Naturschutzzonen.

Dafür hatte Bolsonaro sich offenbar Lob von Brasiliens Medien erhofft. Aber TV Globo ließ in seiner Hauptnachrichtensendung eine Bombe platzen. Dem Sender waren Ermittlungsakten aus den Untersuchungen zum Mord an Marielle Franco zugespielt worden. Darin taucht der Name von Jair Bolsonaro auf. Franco war eine lesbische, linke und schwarze Stadtverordnete in Rio de Janeiro. Am 14. März 2018 wurde sie in Rios Zentrum von einem Killer erschossen.

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