Wissenschaftliche Skepsis versus Wissenschaftsleugnung


Immer mehr Menschen sind davon überzeugt, dass möglichst schnell etwas gegen den menschengemachten Klimawandel unternommen werden muss. Andere hingegen bezweifeln die Notwendigkeit schnellen Handelns oder dass es überhaupt einen menschengemachten Klimawandel gibt. Ist ihre Skepsis berechtigt oder leugnen sie schlicht Fakten? Wie kann man überhaupt herausfinden, ob eigene Zweifel und Überzeugungen eine objektive Grundlage haben oder ob man sie nur hat, weil man vom eigenen Hirn an der Nase herumgeführt wird?

Armadeo Sarma | hpd.de

Moderne Skeptiker im Sinne von Skeptikerorganisationen wie der GWUP, dem European Council of Skeptical Organisations (ECSO) oder dem Center for Skeptical Inquiry (CSI) setzen sich seit langem auch mit dem Problem der Wissenschaftsleugnung auseinander. Jedoch bezeichnen sich auch viele Wissenschaftsleugner als „Skeptiker“, sodass sich die Frage nach dem Unterschied zwischen wissenschaftlicher Skepsis bzw. einem modernen (positiven) Skeptizismus1 und Wissenschaftsleugnung stellt.

Merkmale von wissenschaftlicher Skepsis

Das Hauptziel wissenschaftlicher Skepsis liegt darin, die Welt (noch) besser zu verstehen und nicht, die eigenen Thesen zu belegen oder Gründe dafür zu finden, eine bestimmte wissenschaftliche Erkenntnis abzulehnen. Ihre Motive sind das Interesse, Neues zu erfahren, und das Zugeständnis, dass vielleicht auch die eigene Überzeugung falsch sein könne (Fallibilismus).

An welchen Merkmalen bzw. Indizien können wir erkennen, dass echte wissenschaftliche Skepsis und nicht Leugnung oder Wunschdenken im Spiel sind?

  • Dinge werden kritisch hinterfragt mit dem Ziel, am Ende mehr zu wissen, auch wenn die Ergebnisse einem nicht gefallen mögen. Es ist ein Verlangen erkennbar, am Ende „schlauer“ zu sein und sich überraschen zu lassen.
  • Man arbeitet sich in ein Thema intensiv ein, zum Beispiel über ein Studium an anerkannten Universitäten und hat – noch wichtiger – einen guten Überblick über relevante Fachpublikationen. Extrem wichtig ist dabei ein Überblick über die gesamte Bandbreite, nicht nur eines Teils, der die eigenen Vorannahmen bestätigt. Rosinenpicken, also selektive Auswahl der Informationsquellen, deutet auf genau das Gegenteil hin.
  • Selbst wenn es um pseudowissenschaftliche Behauptungen geht, gilt es, darüber genau Bescheid zu wissen. Nicht alles, was im pseudowissenschaftlichen Umfeld gesagt wird, muss falsch sein.
  • In einem seriösen Ansatz werden Unsicherheiten, offene Fragen und widersprechende Belege anerkannt und eingeräumt und nicht wegdiskutiert. Es ist keine Schande, mit Ungewissheiten zu leben, was für komplexe Zusammenhänge umso mehr gilt.
  • Aussagen sind klar formuliert, so dass sie auch überprüfbar sind.
  • Unangemessene Wortwahl und Sensationslust sind nicht zu erkennen. Die Sache steht im Mittelpunkt und nicht das, was man tun oder lassen soll.

Wir können herrschende Theorien aus zwei Gründen kritisieren. Sie kann innerwissenschaftlich motiviert sein, etwa in Form logisch-methodologischer Einwände. Sie kann aber auch außerwissenschaftlich motiviert sein.

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