In Darwins England ist viel Wurm drin


Nur Form- und lautlose Laubfresser? Im Gegenteil. Der erste Weltatlas der Regenwürmer hat überraschende Erkenntnisse zutage gefördert: Nur wenige Wildtiere sind ökologisch wertvoller als der Regenwurm.

Joachim Müller-Jung | Frankfurter Allgemeiner Zeitung

Der Wurm ist blind, stumm und taub, und doch hat er zum wiederholten Mal die Wald-und-Wiesen-Biologie auf den Kopf gestellt. Alles anders, heißt es in einem Fachartikel, der soeben im amerikanischen Wissenschaftsmagazin „Science“ veröffentlicht worden ist. Es geht um den Regenwurm – genauer: um Regenwürmer im weiteren Sinne. Denn der bekannte Gemeine Regenwurm, Lumbricus terrestris, ist hierzulande mit fast 50 Arten und weltweit sogar mit mindestens 7000 Arten von Wenigborster-Würmern verwandt.

Um sie und um all die vielen Regenwurmverwandten, die wissenschaftlich immer noch nicht endgültig erfasst sind, geht es in der wohl wichtigsten Veröffentlichung seit Charles Darwins Werk „Die Bildung der Ackererde durch die Thätigkeit der Würmer“. Jawohl, Darwins letztes Buch, das er 1881 – 20 Jahre nach seinem bahnbrechenden Opus „Vom Ursprung der Arten“ – veröffentlichte, war einzig und allein den Regenwürmern gewidmet. Und es war auf dem Buchmarkt fast genauso erfolgreich wie sein Meisterwerk zur Evolutionstheorie.

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