Ost-West-Vergleich der Geldvermögen: Die Thüringer liegen schon vor den Bremern


Im Schnitt liegen die Haushalte im Osten bei den Geldvermögen hinter dem Westen. Aber das hat auch einen ganz simplen Grund

Albert Funk | DER TAGESSPIEGEL

30 Jahre nachdem Mauerfall hinkt der Osten Deutschlands hinterher. Immer wieder gibt es Ost-West-Vergleiche, die das zu bestätigen scheinen. Aber wie stark hinkt er wirklich? Wie schlimm ist der Zustand bei näherem Hinschauen? Am Donnerstag zum Beispiel teilte die Deka-Bank, also die Wertpapiersparte der Sparkassen, mit: Ostdeutsche haben durchschnittlich 36 Prozent weniger Geldvermögen als Westdeutsche. Was, nimmt man die beiden statistischen Einheiten für sich, auch stimmt. 40000 Euro haben ostdeutsche Haushalte heute im Schnitt an Geldvermögen auf ihren Konten. Bei den Westdeutschen sind es im Schnitt 63000 Euro. Immerhin ist der Zuwachs im Osten seit 1990 deutlich stärker ausgefallen: Um 244 Prozent wuchsen die Geldvermögen (also ohne Immobilieneigentum und andere Werte) zwischen Rügen und Erzgebirge. In der alten Bundesrepublik betrug das Plus 95 Prozent. Insgesamt sind es übrigens mehr als sechs Billionen Euro.

Aber hinkt hier nicht eher der Vergleich? Immerhin ist im Osten eine Gruppe von Deutschen seltener vertreten, die im Westen wiederum den Schnitt erheblich nach oben zieht: die Reichen. Und im Osten gibt es auch weniger von denen, die zwar nicht wirklich reich, aber doch so wohlhabend sind, dass sie mehr als der Durchschnittsverdiener zurücklegen können. Diese glückliche Spezies findet sich nicht zuletzt in den Regionen, in denen große Konzernzentralen ihren Sitz haben, in denen Unternehmen produzieren, die Hochwertiges auf ihre Märkte bringen. Und entsprechend hochbezahlte Manager und Mitarbeiter benötigen. Im Osten gibt es das auch, aber eben weniger. In und um Leipzig ballen sich nicht die Großversicherer, die Elektronikriesen oder die SUV-Hersteller wie in München. Und die Bankenwelt ist in Frankfurt am Main angesiedelt und nicht in Frankfurt an der Oder.

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