Sektenbeauftragter: Ich bekomme schon mal Post vom Anwalt


Matthias Neff ist der Sektenbeauftragte des Bistums Trier. Nicht jeder Gruppierung passt, was er über sie sagt oder schreibt — da kann es auch schon mal zu juristischen Auseinandersetzungen kommen. Für problematisch hält Neff neben den klassischen Sekten aber auch fundamentalistische Gruppen am Rande christlicher Spiritualität.

Gabriele Höfling | katholisch.de

Dass er auch mal Post von einem Anwalt bekommt, gehört zur Matthias Neff zu seinem Beruf. Der Sektebeauftragte des Bistums Trier trägt Informationen über Sekten zusammen – und veröffentlicht sie auch. So mancher problematischen Gruppe passt das nicht – aber bisher hat Neff die juristischen Auseinandersetzungen immer gewonnen. Im Interview spricht er über seine Aufgabe und den fließenden Übergang zwischen Frömmigkeit und sektirerischen sektiererischen Tendenzen.

Frage: Mit welchen Fragen kommen Menschen zu Ihnen?  

Neff: Meistens melden sich besorgte Angehörige, die feststellen, dass sich im Leben etwa des Partners, der Mutter, des Sohnes etwas deren Nachteil verändert. Dass die Lebenseinstellung eine andere wird und die Art, wie die Betroffenen über ihre Zukunft, ihre Ziele sprechen. Oft kapseln sie sich ab, entfremden sich von ihrem sozialen Umfeld, vernachlässigen ihren Beruf und sind stattdessen  andauernd weg, weil sie weltanschauliche Kurse besuchen, oder beginnen, entsprechende Bücher zu lesen. Bei solchen Entwicklungen machen sich die Angehörigen Sorgen: Was passiert hier? Wie bekommen wir unsere Angehörigen zurück?

Frage: Wie können Sie dann helfen?

Neff: Zunächst geht es darum, den betroffenen Angehörigen zuzuhören und ihre Anliegen ernst zu nehmen. Viele von ihnen stoßen mit ihren Sorgen in ihrem Umfeld auf Unverständnis. Im Gespräch geht es darum, gemeinsam nach Möglichkeiten zu suchen, mit dieser Situation konstruktiv umzugehen. Manchmal fallen Namen, Begriffe oder Orte, an denen ich festmachen kann, um welche Gruppe oder Sekte es sich handelt. Und dann kann man auch einschätzen wie stark die Menschen in deren Strukturen eingebunden werden sollen und wie stark darauf hingewirkt wird, beispielsweise die bisherigen sozialen Beziehungen abzubrechen.

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