Wer steckt hinter dem „Europäischen Islamophobie-Bericht“?

Bild von Martin Foskett auf Pixabay

In wessen Interesse arbeitet die türkische Stiftung für politische, wirtschaftliche und soziale Forschung, die den „Europäischen Islamophobie-Bericht“ herausgibt? Was sind die Ziele, wer die Köpfe der „Denkfabrik“? Und wer finanziert deren Arbeit? Ein Versuch der Klärung der vielen offenen Fragen.

Birgit Gärtner | mena-watch

Immer wieder tritt die 2005 in der Türkei als „Siyaset, Ekonomi ve Toplum Arastirmalari Vakfi“ („Stiftung für politische, wirtschaftliche und soziale Forschung, kurz: SETA) ischen gegründete Organisation mit meinungsstarken Publikationen an die Öffentlichkeit. Viele Jahre lang agierte sie ausschließlich national, doch nach und nach beschränkte sich das Tätigkeitsfeld der Stiftung nicht mehr nur auf die Türkei, sondern wurde auf Europa und die USA ausgeweitet. Neben dem Stammsitz in Ankara unterhält SETA Büros in Washington D.C., Kairo, Brüssel und seit 2017 auch eines in Berlin.

Islamophobieberichte

Ihren großen Auftritt in Europa hatte die Stiftung im Juli 2018 mit der Veröffentlichung des „European Islamophobia Report 2018“ von Enes Bayraklı und Farid Hafez. Ersterer war Dozent an der Deutsch-Türkischen Universität in Istanbul, letzterer lehrt an der Universität Salzburg. Beide studierten an der Universität Wien, wo sie auch promoviert wurden, Bayraklı hat den Bosporus inzwischen gegen Brüssel getauscht und koordiniert das dortige Europa-Büro der Stiftung. Hafez gab ebenfalls im Juli 2018 den „Österreichischen Islamophobiebericht 2017“ heraus und ist im Auftrag des Herrn in deutschsprachigen Landen als Experte in Sachen Islam und Islamophobie unterwegs, tritt in Talkshows auf und nimmt an wichtigen Konferenzen teil; u. a. am „II. Treffen der europäischen Muslime“ in der DITIB-Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld Anfang Januar 2019, an dem auch mutmaßliche Funktionäre der Muslimbruderschaft teilhatten.

Auf dem Treffen formulierten die Anwesenden ihren Anspruch, unverzichtbarer Teil des Europas der Zukunft zu sein. Der Standort der Konferenz unterstrich den Führungsanspruch der Türkei – bzw. des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoǧan – bei dem Projekt europäischer Islam, und die Muslimbruderschaft wurde sozusagen in das Netzwerk von DITIB und der „Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş“ (IGMG)unter der Führung der türkischen Religionsbehörde DIYANET eingepflegt.

Terrorist ist, wer Erdoǧan kritisiert

Seit der Veröffentlichung des „European Islamophobia Report“ ist also bekannt, dass die in der Türkei gegründete Stiftung auch in Europa agiert und mit ihren Publikationen in die hiesigen Debatten eingreifen will. Weniger bekannt sind ihre Verbindungen zur türkischen Regierung und die Finanzierung, die sie erfährt. Eine Kleine Schriftliche Anfrage der Bundestagsfraktion der Linkspartei von Mitte Oktober 2019 soll nun Aufschluss geben über Verbindungen der Stiftung SETA zur türkischen Regierung und die Frage klären, inwieweit die europäischen Dependancen von der EU oder der Bundesregierung finanziert werden.

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